Text-Bild-Ansicht Band 137

Bild:
<< vorherige Seite

ausfließend das Blei auffrißt und sodann die Kugel mit einem weißen Anfluge von phosphorsaurem und phosphorigsaurem Bleie überzieht.

Eine andere Analyse machte ich mit den zu den genannten Gewehren gehörigen Patronen. Mittelst einer stumpfen Nadel, die auf die Basis der Patrone mit Gewalt gedrückt wird, entzündet sich die Patrone und in Folge der Entzündung des fest an gestampften Pulvers wird die oben leicht aufsitzende bleierne Spitzkugel auf die für ein Gewehr unglaubliche Weite von 600–800 Schritten hinausgeschleudert.

Die Patrone zeigt in ihrem Innern eine kleine Kammer, in der sich knallsaures Quecksilber aufgeklebt findet, auf demselben findet sich das Pulver fest angestampft und auf diesem sitzt die Spitzkugel auf. Mittelst der mit Gewalt auf das Knall-Quecksilber hingedrückten Nadel wird dieses entzündet, dasselbe theilt sich dem Pulver mit und die Spitzkugel wird auf die unglaubliche Distanz von 6, 7 bis 800 Schritten hinausgeschleudert.

Endlich möchte ich noch in wissenschaftlicher Beziehung der asphyktischen Kugeln, Boules asphyctiques, der Franzosen Erwähnung thun. Vor ungefähr drei Jahren hat ein Apotheker in Frankreich Kanonenkugeln, d.h. hohle. mit einer Mischung gefüllte Kugeln erfunden, welche die fürchterliche Eigenschaft besitzen sollen, beim Zerplatzen in einem engen Schiffsraume alle darin befindlichen lebenden Wesen in einen asphyktischen Zustand zu versetzen, der einige Minuten andauert, und im Falle diesen, an der Asphyrie darnieder liegenden Menschen nicht schnelle Hülfe geleistet wird, so sind dieselben dem Tode ausgesetzt. In Toulon sollen diese Versuche zur Bewunderung Aller ausgeführt worden seyn und sowohl Menschen als auch Thiere, die sich in diesem Schiffsraume finden, gerathen in diesen Zustand der Narcose. der für alle höchst lebensgefährlich wurde. Da ein französischer Officier, den ich kennen zu lernen Gelegenheit fand, diesen Versuchen beiwohnte, und mir einige Details darüber gab, so hielt ich es nicht für uninteressant, diesen Gegenstand und diese Erfindung, für die man dem Entdecker 150,000 Francs bezahlt haben soll(?) von wissenschaftlichem Standpunkte zur Sprache zu bringen. Wenn diese Kugel auf einen sehr festen Körper auffällt, so zerspringt dieselbe mit fürchterlicher Gewalt und in diesem Augenblick verbreitet sich (nach den Aussagen dieses Officiers, Narrata refero!) ein solcher Geruch nach bittern Mandeln, daß ein Athemzug schon hinreicht, um heftigen Schwindel zu verursachen. Setzt man sich nun dieser Einwirkung noch länger aus, so fallen die Leute zusammen, Schaum tritt aus dem Munde und dieselben ringen nun mit dem Tode. Aus dieser, wenn auch unvollkommenen Beschreibung, dürfte anzunehmen seyn, daß der die Asphyrie bewirkende Stoff von blausäurehaltigem Dunst seyn dürfte, der sich in der Kugel im condensirten Zustande befindet und der sich nach dem Zerspringen der Kugel, die durch knallsaures Quecksilber, das sich in dem Innern der Kugel in einem eigenen Raum befindet, mit furchterlicher Kraft bewirkt wird, entwickelt. Ich wollte diesen, der Untersuchung sehr würdigen Gegenstand mit diesen Worten anregen, und vielleicht gelingt es einem anderen unserer Freunde, mit der Zeit eine genauere Beschreibung mittheilen zu können. (Neues Jahrbuch für Pharmacie und verwandte Fächer, 1855, S. 255.)

Gespaltene Zuggläser für Lampen und Gasbrenner.

Hr. Jobard aus Brüssel hielt im Juni d. J. in der Société d'Encouragement zu Paris einen Vortrag über verschiedene Kunstgriffe, welche man jetzt anwendet um die Zuggläser der Lampen in gerader Linie aufzuschneiden oder zu spalten. Von der Voraussetzung ausgehend, daß ein zerbrochenes Glas in Folge plötzlicher Temperatur-Veränderungen oder ungleichen Erhitzens nicht mehr zerbrechen kann, verfiel Hr. Jobard auf die gespaltenen Zuggläser, welche bereits sehr verbreitet sind. Die Compagnie Beudot in Belgien spaltet täglich 1500 Zuggläser fast ohne Abgang. Man hätte längst bei der Beleuchtung der Städte mit Oel oder Gas die Zuggläser angewandt, wenn sie nicht im Winter und in Folge der Abkühlung durch den Wind, so häufig zerbrechen würden; durch die gespaltenen Gläser ist das Problem gelöst. (Cosmos, Revue encyclopédique, Juni 1855, S. 673.)