Text-Bild-Ansicht Band 140

Bild:
<< vorherige Seite

Die bisherige Anwendungsweise der Bitume, besonders zu flachen Dächern von Gebäuden, war mit Uebelständen verbunden, welche durch die gewalzten Platten verhindert werden, da die Substanzen alsdann kalt benutzt werden können und man sie nicht da, wo sie angebracht werden sollen, zu schmelzen braucht.

Einen wesentlichen Fortschritt bildet namentlich der Umstand, daß die Asphaltplatten in senkrechter Richtung angebracht werden können, wodurch sie zu vielen neuen Zwecken verwendbar werden. So würde es z.B. höchst wichtig seyn, wenn man die Asphaltplatten zu Schiffsbeschlägen anwenden könnte, dieß wagen wir jedoch nicht zu hoffen; immerhin können diese Platten aber dem Seewesen große Dienste leisten, indem man sie zu Gefäßen zur Aufbewahrung des Trinkwassers benutzt, da ihre Tauglichkeit dazu erwiesen ist, und sie viel leichter und wohlfeiler als die blechernen Gefäße sind. (Armengaud's Génie industriel, October 1855, S. 182.)

Der Zuckerrübenbau auf Kämmen in Lens bei Lille.

Eine der berühmtesten Wirthschaften Frankreichs ist gegenwärtig die Decrombecque'sche in Lens. Dieselbe wurde in neuerer Zeit von ausgezeichneten Landwirthen besucht und beschrieben, namentlich hat Hr. v. Gasparin vor einigen Monaten die von Decrombecque eingeführte und in großem Maaßstab betriebene Mastmethode des Rindviehs und der Schafe als Muster aufgestellt. Die Abhandlung über diesen Gegenstand hat große Sensation erregt und die Runde in allen wissenschaftlichen Blättern gemacht. Außerdem bietet in Lens die Anwendung der neuesten vollkommensten Ackerwerkzeuge Englands, die in großer Anzahl vorhandenen Thiere der edelsten Racen, die eigenthümlichen Stalleinrichtungen, die großartige Zuckerfabrik und Rübenbrennerei u.s.w. besonderes Interesse.

Hr. v. Decrombecque bebaut jährlich 350 bis 400 Morgen mit Zuckerrüben und erntet gewöhnlich 320 bis 340 Zollcentner per Morgen (württemb. Maaß), es dürfte daher seiner Culturmethode ziemliches Vertrauen geschenkt werden, was auch von Seiten seiner Landsleute und seiner Nachbarn, der Belgier, geschieht.

Kürzlich veröffentlichte derselbe seine Erfahrungen im Gebiete des Zuckerrübenbaues in dem Journal des belgischen landwirthschaftlichen Centralvereins, und ich denke es dürfte eine Uebersetzung dieses Artikels manchen Landwirth interessiren.

„Ich baue,“ sagt Hr. v. Decrombecque, „die Zuckerrüben auf folgende Weise:

Nachdem der Boden kurz vor der Saat zubereitet wurde, um das Austrocknen zu verhüten, werden sogleich Kämme mit dem Häufelpflug gezogen, welche 21'' (württemb. Maaß) von einander zu liegen kommen. Hierauf folgt eine steinerne oder hölzerne Walze (je nach dem Feuchtigkeits- und Lockerungsgrade des Bodens), welche gerade so lang ist, daß drei Kämme auf einmal gewalzt werden.

Die Samenkörner werden stellenweise auf die abgeplatteten Kämme eingelegt. Zu diesem Behufe zieht ein Arbeiter einen zweirädrigen Karren über die Kämme. Auf beiden Rädern desselben sind Zapfen in einer Entfernung von 8 1/2'' von einander angebracht, wodurch die Stellen markirt werden, in welche ich die Körner mit der Hand einlegen lasse. Das Bedecken derselben geschieht ebenfalls mit der Hand. (Man würde diese Operation schneller und billiger vermittelst der Maschine des Hrn. H. Ledocte oder des Hrn. v. Chestret, welche beide auf der Pariser Ausstellung figurirten, bewerkstelligen, besonders wenn noch Guano oder Knochenmehl mit dem Samen ausgestreut werden soll.)

Die auf diese Weise gesäeten Rüben befinden sich gleich auf dem ihnen angewiesenen Platz, widerstehen besser dem zerstörenden Angriff der Insecten, überdieß hat man die Wahl beim Auslichten, und kann also immer nur die schönste Pflanze stehen lassen. Sobald der Same aufgegangen und die jungen Pflänzchen soweit gediehen sind, daß sich die Reihen bemerklich machen, wird ein Wühlpflug (Untergrundpflug) zwischen den Kämmen durchgezogen, und zwar das erstemal sehr seicht, damit die Rüben nicht mit Erde bedeckt werden. Durch diese Operation werden die Keime der Unkräuter zerstört und die Insecten verjagt. Der befruchtende Einfluß des Lichtes