Text-Bild-Ansicht Band 140

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Die Herstellung der Kolbenringe ist sehr einfach. Man bedarf hiezu einer schmiede- oder gußeisernen zerlegbaren Form, deren hohler Raum den Dimensionen des Ringes entspricht. Die vorher, nach der in der Zeichnung ersichtlichen Form abgedrehte und verzinnte Feder d wird in die Form gespannt, das Ganze angewärmt und der Guß vollzogen. Die Mischung des hiezu verwendeten Compositionsmetalls richtet sich nach der Dichtigkeit der Cylindermasse. Für weiches Gußeisen habe ich eine Zusammensetzung von 80 Th. Zinn, 16 Th. Antimon und 4 Th. Kupfer oder Glockenmetall am zweckmäßigsten gefunden.

Bei Anwendung dieser Kolbenringe ist es von Vortheil, die Cylinder vorerst auszubohren, wenn sie nicht vollkommen rund seyn sollten.

Die Vortheile, welche beschriebene Kolben bieten, sind nebst der Beseitigung aller erwähnten Mängel, große Dauerhaftigkeit und Einfachheit; die Folgen derselben sind äußerst geringe Reparatur, erhöhte Leistungsfähigkeit der Maschine und eine auffallende Ersparniß an Brennmaterial. Eine der hiesigen Locomotiven, welche schon seit 10 Monaten mit solchen Kolben versehen ist, ergab eine Brennmaterialersparniß von 33 Proc., entsprechend dem Verbrauche von 11,7 Kubikfuß nicht geschichteten Torfes per Wegstunde, bei einer Arbeitsleistung von 3000 Ctr. Bruttobelastung und 7 Stunden Geschwindigkeit auf einer Bahnstrecke mit über die Hälfte einprocentiger Steigungen.

Bei solchen günstigen Erfahrungen wurde denn auch von der Betriebsverwaltung der bayerischen Staatsbahnen die Anfertigung der Kolbenringe nach oben beschriebener Construction für sämmtliche Maschinen angeordnet. Diese Construction ist aber nicht bloß für Locomotiven, sondern für alle Dampfmaschinen und überhaupt wo Metallkolben angewendet werden können, zu empfehlen.