Text-Bild-Ansicht Band 142

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das Jod durch die Gegenwart der unterschwefligen Säure eben so wie durch den Schwefelwasserstoff in Jodwasserstoffsäure umgewandelt wird.

Das Verfahren welches ich vorschlage, besteht darin, den Schwefel als Schwefelsilber zu fällen, mittelst des Doppelsalzes von unterschwefligsaurem Silberoxyd und Natron, welches in einem Ueberschuß von unterschwefligsaurem Natron aufgelöst ist. Um dieses Reagens zu bereiten, löst man Chlorsilber in einer Auflösung von unterschwefligsaurem Natron auf; dasselbe conservirt sich sehr lange, besonders wenn es mit ein Paar Tropfen Ammoniak versetzt ist.

Man hat schon vorgeschlagen, das salpetersaure Silber, in einem großen Ueberschuß von Ammoniak aufgelöst, anzuwenden; aber in diesem Falle werden die Jodverbindungen gefällt, welche im Wasser enthalten seyn können, und wenn der Ueberschuß des Ammoniaks nicht groß genug ist, oder wenn das Wasser Kohlensäure enthält, so werden die Chloride und die Bromide ebenfalls gefällt; enthält das Wasser organische Substanzen, wie es fast stets der Fall ist, so werden sich auch diese niederschlagen, besonders in Berührung mit dem Licht oder der Wärme. (Comptes rendus, Oktober 1856, Nr. 16.)

Anwendung der Fettsäuren des Seifenwassers zur Leuchtgasbereitung.

Bisher hat man in den Kammwoll Spinnereien, um aus der großen Quantität Seife, welche zur Wäsche der Wolle verwendet worden ist, einigen Gewinn zu ziehen, das noch warme Seifenwasser mit Kalkhydrat zersetzt und den erhaltenen Niederschlag nach dem Trocknen zur Leuchtgasbereitung verwendet. Dieses Verfahren wurde von dem französischen Ingenieur Jeannency eingeführt, Und ist das gleiche, welches er sich zur Verarbeitung des Seifenwassers, das zum Entschälen der Seide gedient hat, patentiren ließ (Description des brevets, t. XVIII). Er beschreibt letzteres folgendermaßen:

„Das Seifenwasser welches zum Entschälen der Seide gedient hat, wird mit gelöschtem Kalk behandelt, indem man es auf 70 bis 75° C. (56 bis 60° Reaum) erhitzt. Man läßt diese Flüssigkeit sich absetzen und decantirt das überstehende klare Wasser. Der Niederschlag wird filtrirt; nachdem er zwei bis drei Tage lang abgetropft ist, läßt man ihn (zertheilt) an freier Luft trocknen, wo er dann wie Steinkohlen zur Beschickung der Gasretorten verwendet werden kann; nur heizt man die Retorten schwächer, und kann aus denselben das Gas, welches weder gereinigt noch gewaschen zu werden braucht, direct in den Gasometer leiten. In letzterm setzt das Gas beim Erkalten Wasser und ein auf diesem schwimmendes Oel ab; dieses Oel sammelt man, und benutzt es um jede Beschickung der Retorte zu begießen. (Offenbar ist es zweckmäßiger, das Gas durch einen Kühlapparat zu leiten, ehe es in den Gasometer gelangt.) Das erhaltene Gas ist sehr rein und gibt ein schönes Licht. – Auf 1 Hektoliter Seifenwasser sind 3/4 bis 1 1/2 Kilogr. gebrannter Kalk erforderlich. Dieser wird mit reinem Wasser gelöscht und zur milchartigen Consistenz verdünnt; man läßt ihn dann langsam in den Behälter laufen, worin das Erhitzen vorgenommen wird, und während seines Einlaufens gibt man so schnell als möglich das Seifenwasser zu. Geschieht das Erhitzen über freiem Feuer, so muß die Flüssigkeit im Behälter umgerührt werden. – 1 Hektoliter Seifenwasser vom Entschälen der Seide liefert 1200 bis 1600 Liter Gas.“

Mangansaures Kali als Entfärbungsmittel; von A. Gößmann.

Die bekannte Thatsache, daß eine Reihe durch färbende, fremdartige Materien verunreinigter organischen Verbindungen sehr zweckmäßig durch oxydirende Einflüsse gereinigt werden kann, gab mir Veranlassung, das mangansaure Kali (das sogenannte mineralische Chamäleon) zu diesem Zwecke anzuwenden. Versuche, welche ich zunächst mit einigen organischen Säuren, wie Harnsäure, Hippursäure und Cyanursäure, die in der Regel mit festhaftenden Farbstoffen imprägnirt sind. ausgeführt