Text-Bild-Ansicht Band 144

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Was nun die Versuche über eine bessere Ofeneinrichtung betrifft, so sind diese natürlich nicht so leicht von Jedermann auszuführen, wie die über eine gute Glasur, da sie einestheils viel Zeit und anderntheils Geld in Anspruch nehmen, was nicht Jeder aufzuwenden hat. Hier müßten also Staatsmittel zu Hülfe kommen.

Auch bei den Oefen muß die Billigkeit und leichte Herstellbarkeit nicht aus den Augen verloren werden, deßhalb glaube ich auch nicht, daß der von Henschel angegebene – zunächst Backstein- – Ofen für den allgemeinen Gebrauch geeignet ist; sein Bau ist zu kostspielig und zusammengesetzt. Ich sah einen solchen Ofen in Anwendung, aber es zeigten sich dabei dieselben Uebelstände, wie beim gewöhnlichen Häfnerofen. Die Gefäße am hinteren Theil, eine ziemliche Anzahl, waren zu schwach gebrannt. Die Esse wurde daher bis nahe auf die Sohle geführt und dadurch ein weit besseres Resultat erzielt.

Heidelberg, im September 1856.

(Mittheilungen für den Gewerbeverein des Herzogthums Nassau, 1856, S. 85.)

Ueber die Leuchtkraft von Schieferölen; von Orth.

Es wurden Versuche vorgenommen mit dem Tübinger und Bonner Schieferöl. dem französischen Mineralöl und dem Hamburger Photogen, die sich im Allgemeinen gleich verhielten.

Bei den Versuchen über die Leuchtkraft dieser Oele ergab sich, daß bei einer Flamme, deren Lichtstärke gleich ist der Lichtstärke von 4 Wachskerzen, wovon 5 auf 1 Pfd. gehen, per Stunde 24 Gramme des Oels consumirt wurden. Zum Hervorbringen einer Lichtstärke von 2 Kerzen waren per Stunde 12 1/2 Gramme nöthig. Es brennt somit 1 Schoppen Schieferöl, die Maaß zu 1,67 Liter gerechnet, bei einer Lichtstärke von 4 Kerzen 14 1/2 Stunden, bei einer Lichtstärke von 2 Kerzen 28 Stunden. – Das Oel wurde bei den Versuchen in einer Hamburger Photogenlampe gebrannt.

Die Preise des in Ohmenhausen bei Reutlingen fabricirten Schieferöls stellen sich folgendermaßen:

bei Korbflaschen von 30–40 Maaß Nr. I. die Maaß 56 kr.
Nr. II. „ „ 48 kr.
eine Sorte rohes Schieferöl per 100 Pfd. 15 fl.

ab Ohmenhausen. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1857, Nr. 20.)

Verfahren zum Hartmachen des Talges; von Hrn. Capaccioni.

Der Erfinder zerrührt in 1000 Theilen geschmolzenen Talges 7 Theile Bleizucker, und einige Minuten nachher vermindert er die Temperatur, aber nur so weit, daß der Talg noch flüssig bleibt. Er setzt alsdann 15 Theile gepulverten Weihrauch und 1 Theil Terpenthinöl zu indem er die Substanzen im Kreise umrührt. Die Temperatur wird hierauf so lange unterhalten, bis die im Weihrauch enthaltenen fremdartigen Substanzen sich zu Boden gesetzt haben, wozu mehrere Stunden erforderlich sind.

Der Bleizucker ertheilt dem Talg Härte; der Weihrauch bringt nicht nur dieselbe Wirkung hervor, sondern verbreitet auch während der Verbrennung des Talges einen angenehmen Geruch.

Aus solchem Talg gegossene Kerzen laufen nicht ab, und nähern sich den Stearinkerzen. (Armengaud's Génie industriel, t. XIII p. 137.)