Text-Bild-Ansicht Band 149

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wurde einer Wasserprobe von 200 Atmosphären seiner Haltbarkeit wegen, und einer warmen Oelprobe von ebenfalls 200 Atmosphären seiner Dichtigkeit oder Porosität wegen, unterzogen; beide Proben bestand derselbe befriedigend. Der Kessel wurde mit einem unverhältnißmäßig großen Ventile versehen, es hatte nämlich 3'' Durchmesser mit unmittelbarer Belastung von 4475 Pfd, 50 Atmosphären als niedrigster Dampfspannung für die ersten Versuche entsprechend, und war mit einem Quecksilber-Manometer, bis zu 200 Atmosphären dienstbar, versehen; das Abströmungsrohr von Eisen hatte 6''' Durchmesser und 4''' Wanddicke, und war mit einem Schraubenventil eingerichtet. Mit dem Kessel war in Verbindung ein Wasserstands-Glas und eine kleine Force-Pumpe von 5''' Kolbendurchmesser für Handbetrieb.

Der Kessel faßte beim gehörigen Stande 1262 Kubikzoll Wasser, und einen Dampfraum von 631,9 Kubikzoll.

Die Feuer- oder Heizfläche betrug 620 Quadratzoll, also nach gewöhnlichen Bemessungen für 1/4 Pferdekraft. Der Kessel wurde in einen feuerfesten Windofen gesetzt und mittelst Kohks bei Anwendung eines Ventilator-Gebläses erhitzt.

Das Dampfleitungsrohr wurde in den Steuerkasten einer Dampfmaschine für 6 Pferdekräfte eingeführt, und sofort Dampf von dem vorgesetzten niedersten Drucke, von 50 Atmosphären, erzeugt.

Das am Dampfcylinder von 8'' Bohrung und 2' Hub angebrachte Hochdruckmanometer von Schäffer zeigte nach circa 20 Secunden nahezu 30 Atmosphären, während jenes am Kessel angebrachte 50 1/4 zeigte; das Spiel der Maschine begann und die Dampfentwickelung kam herab auf 36 Atmosphären, und das Abblasen des Sicherheitsventils hörte gänzlich auf; nachdem die Maschine 22 Hube vollbracht hatte, zeigte das Cylinder-Manometer 46 Atmosphären und jenes am Kessel 49 1/2. Das Gebläse wurde verstärkt, eben so die Speisung und nach circa 2 Minuten stellte sich die Dampfentwickelung auf eine konstante Spannung von 52 Atmosphären, während jene im Cylinder 49,5 Atmosphären hatte, und ein regelmäßiges Abblasen es Sicherheitsventils eintrat.

Die Dampfeinströmung mußte schnell vermindert werden, damit die normale Geschwindigkeit der Maschine 50 Hube per Minute bleibe. Unter diesen Ergebnissen wurde die Speisung des Kessels mit Wasser regelmäßig nach je 2 Minuten vorgenommen und zwar mußte sie mit Wasser von 79° Reaumur Temperatur vorgenommen werden, um die obige Spannung constant zu erreichen. Nach diesen Bedingnissen wurde die Maschine durch 1 1/2 Stunden im constanten Gange erhalten.

Diese Thatsache gibt der Vermuthung Raum, daß bei Locomotiven sehr kleine aber starke Kessel verwendet werden könnten.

Der Wasserstand im Glase ist bei einer Spannung von 52 Atmosphären oder 663 Pfund auf den Quadratzoll, so unbeweglich wie eingefroren geblieben, und veränderte sich selbst auch dann nicht, wenn der ganze Ofen sammt Kessel geneigt wurde; es wurde in Folge dieser auffallenden Erscheinung das Glas einigemal (mit Gefahr) abgelassen, um sich von dessen freiem Spiele zu überzeugen.

Der abgeblasene Dampf wird erst 1' oder dem Ventile sichtbar, am Ventile selbst und 10 bis 12'' höher ist er völlig unsichtbar, nur beim Einbringen eines kalten Körpers in diesen Raum wird der Dampf sichtbar; ein hineingehaltener eiserner Schraubenschlüssel wurde mit Heftigkeit aufwärts getrieben. Das durch Abblasen entstehende Geräusch steigert sich bis zur Spannung von 50 Atmosphären sehr bedeutend, bei weiterer Zunahme der Spannung wird das Geräusch wieder viel schwächer. Bei einer Spannung von 76 Atmosphären oder 969 Pfund Druck für den Quadratzoll, bleibt der ausgeblasene Dampf vom Ventile ab bis zur Höhe von 36'' über demselben unsichtbar, und beginnt erst über dieser Höhe in Gestalt von intensiv weißen glänzenden Haufenwolken sichtbar zu werden.

Die Dampfentwickelung mit einer Spannung von 50 Atmosphären aufwärts geht mit ungeheurer Heftigkeit vor sich, so z.B. muß bei der Spannung von 76 Atmosphären das Feuer viel sorgfältiger gehandhabt werden, als es bei jener von 50 erforderlich ist, um nicht schnell auf 80 oder 90 hinaufzukommen.

Die Erscheinungen über die unter 1. und 2. aufgeführten Versuche folgen seiner Zeit. (Zeitschrift des österreichischen Ingenieur-Vereins, 1857, Nr. 24.)