Text-Bild-Ansicht Band 155

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noch absorbirende Mittel haben, die einigermaßen Befriedigendes leisten. Daß Weingeistdämpfe, die wohl das häufigst empfohlene Mittel sind, sehr wenig nützen, habe ich oft genug erfahren. (Zeitschrift für Hygiene u.s.w. Bd. I S. 170.)

Ueber die Entdeckung der Fuselöle im Weingeist; von Prof. W. Stein.

Zur Entdeckung der Fuselöle im Weingeist sind, wie bekannt, schon verschiedene Verfahrungsweisen vorgeschlagen worden. Ich bediene mich seit Jahren mit dem besten Erfolge des nachstehend beschriebenen.

Gepulvertes oder möglichst poröses Chlorcalcium in kleinen Stücken wird in einem Becherglase mit so viel von dem zu untersuchenden Weingeiste übergossen, als nöthig ist, um es so weit vollständig zu durchfeuchten, daß es naß erscheint, und dann das Becherglas mit einer Glasplatte bedeckt. Riecht man nach einiger Zeit in das Glas hinein, so bemerkt man den Geruch des Fuselöls, der nach mehreren Stunden sich noch deutlicher entwickelt. Bei sehr geringen Beimischungen von Fuselöl ist es nöthig, das Gemisch lange stehen zu lassen, ehe man daran riecht, und dann nicht zu lange auf einmal, sondern öfter von Zeit zu Zeit daran zu riechen.

Auf diese Weise ist es möglich, nicht bloß Spuren eines Fuselöls, sondern auch mehrere Fuselöle oder Riechstoffe irgend welcher Art neben einander zu erkennen, sofern nur das Geruchsorgan empfindlich und gehörig geübt ist.

Streng genommen ist dieses Verfahren nichts anderes als eine Abänderung und Verbesserung des allergewöhnlichsten praktisch angewendeten, nach welchem man den zu prüfenden Weingeist in warmes Wasser gießt. Die Unmöglichkeit, geringe Mengen von Fuselöl in einem Weingeiste zu erkennen, beruht nämlich, wie man leicht einsieht, darauf, daß die Geruchsnerven durch die mit dem Fuselöle gleichzeitig wirksamen Alkoholdämpfe betäubt werden. Will man also das Fuselöl allein riechen, so muß man die Entstehung der Alkoholdämpfe verhindern. Dieß erreicht man, wenn man den Alkohol in Wasser gießt, noch besser aber, wie gesagt, indem man ihn mit überschüssigem Chlorcalcium zusammen bringt, welches ihn bindet. Es ist nun zwar bekannt, daß auch das Fuselöl sich mit Chlorcalcium verbinden kann, jedenfalls ist aber diese Verbindung nicht geruchlos, während der Alkohol vom Chlorcalcium so fest gehalten wird, daß er die Wahrnehmung des Fuselölgeruchs nicht stört. (Polytechnisches Centralblatt, 1859 S. 1627.)

Verfahren, die Hefe der Lagerbier-Brauereien so zu entbittern, daß sie zu allen Arten von Backwerk angewendet werden kann und Methode, Hefe Jahre lang aufzubewahren; von Dr. Wilibald Artus in Jena.

Diese Aufgabe ist schon längst der Gegenstand der Untersuchungen gewesen; sie fand bis jetzt jedoch keine Erledigung oder vielleicht nur annäherungsweise. Vielfache von mir unternommene Versuche, diese Aufgabe zur Entscheidung zu bringen, führten jedoch zu einem günstigen Resultate, indem es mir gelang, die Hefe von stark gehopftem Lagerbier dadurch zu entbittern, daß ich auf 1 Pfd. dickflüssige Hefe 1 Loth krystallisirtes kohlensaures Natron (krystallisirte Soda) anwende, und dabei folgenderweise verfahre: Man nehme also auf 1 Pfd. Hefe 1 Loth krystallisirtes kohlensaures Natron; letzteres wird in 2 Pfund warmen Wassers gelöst, eine Lösung, die man bis 15° R. erkalten läßt, worauf man sie mit der zu reinigenden Hefe vermischt und zwei Tage lang unter öfterem Umrühren stehen läßt, dann die Masse noch mit 2 Pfund Wasser verdünnt und so lange ruhen läßt, bis sich die Hefe vollständig abgeschieden hat, worauf die obenstehende, meist weingelb gefärbte Flüssigkeit abgegossen und zur Entfernung des kohlensauren Natrons die Hefe noch ein- oder zweimal mit reinem Wasser übergossen wird und man dann wieder wie oben verfährt. Die abgeschiedene und ausgesüßte Hefe wird hierauf auf Fließpapier oder auf ein reines Tuch gegeben und mäßig ausgepreßt.

Mit dieser so gereinigten Hefe sind hier Versuche zum Verbacken angestellt worden, die zu befriedigenden Resultaten geführt haben, und da gegenwärtig die Lagerbierbrauerei