Text-Bild-Ansicht Band 155

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während das Maisstrohpapier alle guten Eigenschaften des Maschinen- und gleichzeitig die des Handpapiers in sich vereiniget.

Einen weiteren höchst wichtigen Vortheil bietet die Erzeugung des Maisstrohpapiers dem Papierfabrikanten durch die Ersparniß von ungefähr 20 Pferdekräften bei einer Maschine, also beinahe mehr als den dritten Theil der Kraft. Diese Ersparniß gründet sich auf die Entbehrung der Halb-Zeug-Holländer, des Staubers, des Hadernschneiders etc.; und in Folge dessen fallen auch die Anschaffungs- und Erhaltungskosten der genannten Apparate weg. Diamant erhält auf chemischem Wege sein Halbzeug aus dem von ihm construirten Macerirkessel, ohne die geringste mechanische Kraft aufgewendet zu haben. Der Proceß ist höchst einfach und mit sehr geringem Zeit- und Kostenaufwand verbunden. Es ist factisch in der letzten Probe nachgewiesen worden, daß die Anlagskosten einer Maisstroh-Papierfabrik geringer seyn müssen als die bei Hadern; deßgleichen verhält es sich mit den Regiekosten; selbst das Gewichtsverhältniß zwischen Stroh und Papier war 1858 ein weit günstigeres, als das Jahr vorher; der Grund liegt in dem größeren Maaßstabe, nach welchem die letzte Probe vorgenommen wurde. Voriges Jahr ergaben 12 Ctr. Stroh 400 Pfd. Papier, 1858 ergaben 55 Ctr. Stroh 21 Ctr. Papier, mithin statt 33 1/3, 36 1/4 Proc. Es ist mit Gewißheit anzunehmen, daß im Laufe der Fabrication erst noch weitere vortheilhafte Erfahrungen gemacht werden.

Höchst geeignet wäre dieses Papier für Banknoten, erstlich seiner außerordentlichen Festigkeit wegen, ferner der besondern Eigenthümlichkeit halber des Angriffs, die dieses Papier ausschließlich besitzt.“

Der Reichsgraf Carl Octavio zu Lippe-Weißenfeld acquirirte das Verfahren und das österreichische Patent von dem Erfinder, und ließ damit zahlreiche Versuche anstellen, die sämmtlich folgendes Resultat ergaben:

1) Aus dem Maisstroh lassen sich auf eine einfache Weise alle Sorten Papier darstellen, welche mit den aus Lumpen bereiteten nicht nur die vollkommenste Aehnlichkeit haben, sondern dieselben in mancher Hinsicht übertreffen; denn

2) bedarf das Zeug durch den natürlichen Gehalt an Pflanzenleim als Packpapier gar keine und als Schreibpapier nur eine sehr schwache Leimung,

3) und läßt sich das Zeug außerordentlich leicht und schnell bleichen und ist beim Packpapier dasselbe gar nicht nöthig;

4) besitzt das Maisstrohpapier eine größere Festigkeit als das Papier aus Lumpen, ohne im geringsten die Sprödigkeit des gewöhnlichen Strohpapieres zu theilen, und dürfte besonders durch diese Eigenschaft das Packpapier aus Maisstroh jenem aus Lumpen weit vorzuziehen seyn;

5) unterliegt es überhaupt nach den im Großen angestellten Versuchen keinem Zweifel, daß die Papierfabrication aus Maiostroh – natürlich bei gehörigen Quantitäten Rohmaterial – bedeutend billiger kommt, als die aus Lumpen.“

Demnach steht es jetzt als unzweifelhafte Thatsache fest, daß die Gewinnung des Papierstoffes aus dem Maisstroh, da, wo das Rohmaterial in großen Massen vorhanden und billig zu beziehen ist, ein äußerst lucratives Unternehmen seyn muß.

Sicherem Vernehmen nach wird eben jetzt in Pesth für Rechnung des kaiserl. Aerars eine große Fabrik für Darstellung des Papierstoffes aus Maisstroh für die kaiserl. Papierfabriken errichtet, deren Betriebssetzung übrigens von der Vereinbarung mit dem obenerwähnten Patentinhaber abhängt. Derzeit wird Maispapier in der Schweiz nach obiger Methode angefertigt; ein größeres Unternehmen zur Gewinnung von Halbzeug aus Maisstroh in den Küstenländern des Mittelmeeres wird vorbereitet. (Breslauer Gewerbeblatt, 1860, Nr. 4.)

Aechtschwarz auf Baumwolle, Wolle, Seide etc. ohne Anwendung von Indigo; von N. A. Grumel in Paris.

Die nachstehend angegebenen Verhältnisse sind für 10 Pfd. (5 Kilogr.) Baumwollengarn berechnet.