Text-Bild-Ansicht Band 157

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in zweifach-antimonsaures Kali, so daß man ein Gemenge von krümlichem und gummiartigem antimonsaurem Kali mit zweifach-antimonsaurem erhält. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1860, Nr. 11.)

Ueber Reinigung der Salzsäure von schwefliger Säure und Chlor.

Der (aus dem Répertoire de Chimie appliquée im polytechn. Journal Bd. CLIV S. 234 mitgetheilte) Vorschlag von Flores Domonte, die Salzsäure des Handels von schwefliger Säure oder Chlor durch einen Strom von Kohlensäure zu befreien, wurde auf meine Veranlassung von Hrn. Stud. Ott von Bern einer Prüfung unterworfen, weil es einerseits nicht sehr wahrscheinlich war, daß dieß Mittel die ihm zugeschriebene Wirkung haben werde, und weil andererseits, wenn sich die Sache bewähren sollte, unter Umständen Nutzen daraus gezogen werden könnte.

Es wurde eine wässerige Salzsäure von 1,076 specifischem Gewicht oder einem Salzsäuregehalt von 15,36 Proc. mit schwefligsaurem Natron versetzt. Auf 300 Kubikcentimeter der Säure wurden 2 Gramme des Salzes genommen. Von dieser Quantität wurden 100 Kubikcentimeter in zwei Cylinder von etwa 1/2 Zoll Weite, die nach Art Woulf'scher Flaschen mit einander verbunden waren, gefüllt und während zwei Stunden ein möglichst stetig erhaltener Strom von Kohlensäuregas hindurchgeleitet. Von der auf diese Weise behandelten Säure sowie von der, welche nicht dem Kohlensäurestrom ausgesetzt war, wurden je 50 Kubikcentimeter abpipettirt, mit etwas chlorsaurem Kali versetzt, erwärmt und daraus mit Chlorbaryumlösung die gebildete Schwefelsäure niedergeschlagen. Jeder der beiden gesammelten, ausgewaschenen und geglühten Niederschläge wog 0,340 Gramme. Es war also nicht der geringste Verlust an schwefliger Säure gemacht worden, trotzdem daß die Kohlensäure so durchgeleitet wurde, daß die ganze Flüssigkeit beständig von den aussteigenden Blasen berührt wurde. Es ist hiernach nicht wahrscheinlich, daß vielleicht unter Modificationen des Apparates, die in unserer Quelle nicht benannt sind, die schweflige Säure überhaupt könne durch einen Kohlensäurestrom ausgetrieben werden, denn der Gehalt an schwefliger Säure, die sich durch Zerlegung des Salzes im freien Zustande in der Lösung befinden mußte, war nicht gering, und trotzdem wurde nichts davon entfernt; noch weniger aber scheint Hoffnung vorhanden, daß die Sache praktisch nützlich werde. Prof. Bolley. (Schweizerische polytechnische Zeitschrift, 1860, Bd. V S. 55.)

Anwendung von unterchlorigsaurer Thonerde als Mittel zum Bleichen und Desinficiren, von Z. G. Orioli in Paris.

Die unterchlorigsaure Thonerde, welche nur in wässeriger Lösung existirt, erhält man durch Vermischen der Lösungen von Chlorkalk und schwefelsaurer Thonerde. Wegen seiner leichten Zersetzbarkeit zerstört dieses Salz alle organischen Farbstoffe sehr leicht. Es ist in dieser Beziehung einer Mischung von Chlorkalk und Säure zu vergleichen, hat aber den Vorzug, immer neutral zu bleiben und nicht zu einem Rückhalt von Salzsäure in dem gebleichten Stoffe, welcher nach Orioli bei dem gewöhnlichen Verfahren oft vorkommt und nach und nach ein Mürbewerden des Stoffes bedingt, Anlaß zu geben. Bei der bleichenden Wirkung der unterchlorigsauren Thonerde wirkt dieselbe lediglich durch Abgabe von Sauerstoff, indem andererseits Chloraluminium entsteht. Beim Bleichen des Papierzeugs mit unterchlorigsaurer Thonerde braucht das Waschen nicht mit solcher Sorgfalt wie gewöhnlich ausgeführt zu werden, und man erhält doch ein festes und dauerhaftes Papier. Da das Chloraluminium ein antiseptisch wirkendes Salz ist, so kann man den Papierzeug in Berührung mit demselben im ungewaschenen Zustande längere Zeit aufbewahren, ohne daß er eine Zersetzung erleidet. Das Bleichen des Papierzeugs mit unterchlorigsaurer Thonerde kann man im Holländer vornehmen, indem man dem Papierzeug eine Lösung von schwefelsaurer Thonerde und andererseits eine Chlorkalklösung in passendem Verhältniß zufügt und nach 10 Minuten die Masse zum Abtropfen in einen