Text-Bild-Ansicht Band 165

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XC. Ueber die Verbindung des Anilinroths mit Gerbstoff; von E. Kopp.

Aus dem Répertoire de Chimie appliquée, Juli 1862, S. 257.

Eine der interessantesten Verbindungen des Rosanilins81), welche auch eine wichtige Rolle bei den Anwendungen dieses schönen Farbstoffs spielt, ist diejenige mit dem Gerbstoff.

Das gerbsaure Rosanilin ist, wenn nicht das unauflöslichste, wenigstens eines der am wenigsten in Wasser löslichen Salze des Rosanilins. Man erhält es jedesmal, wenn man eine Lösung von reinem Gerbstoff oder einen frisch bereiteten Galläpfelauszug einer wässerigen Lösung eines neutralen oder doch nur schwach sauren Rosanilinsalzes zusetzt; am besten wendet man ein Salz mit starker Mineralsäure (schwefelsaures, salpetersaures oder salzsaures Rosanilin) an. Wenn das Rosanilinsalz zu sauer wäre, müßte man den größten Theil des Säureüberschusses durch ein kohlensaures Alkali neutralisiren.

Man kann die Unauflöslichkeit des gerbsauren Rosanilins benutzen, um diesen Körper aus Lösungen niederzuschlagen, welche zu verdünnt sind, als daß sie mit Vortheil abgedampft oder mit einem neutralen Alkalisalz behufs der Fällung des aufgelösten Rosanilinsalzes gesättigt werden könnten.

Wenn man eine ziemlich concentrirte und heiße wässerige Auflösung eines Rosanilinsalzes durch eine concentrirte Gerbstofflösung fällt, so erhält man das gerbsaure Rosanilin als eine schmierige, harzartige Masse von sehr dunkler braunrother Farbe. Ist die Temperatur hoch genug, so kann der Niederschlag sogar vollständig geschmolzen seyn. In diesem Falle lassen sich die Mutterlaugen decantiren; sie haben dann aber in der Regel eine noch ziemlich intensive rothe Farbe, besonders wenn man zur Fällung einen Ueberschuß von Gerbstoff angewendet hat. Hiernach scheint es, daß das Rosanilin mehrere Verbindungen mit dem Gerbstoff bildet, und daß das zweifach- und dreifach-gerbsaure Salz löslicher als das neutrale ist. Das geschmolzene Salz, nachdem es durch Abkühlen erstarrt ist, zeigt manchmal nach dem Trocknen einen schön goldgelben Metallreflex.

81)

So benennt Hofmann das reine Anilinroth; man sehe seine Abhandlung über die Anilinfarbstoffe in diesem Bande des polytechn. Journals S. 60.