Text-Bild-Ansicht Band 168

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über 40 Sgr., im Mittel mithin circa 35 Sgr., oder es kosten 100 Pfd. lufttrockener Torf circa 1 Sgr. 7 Pf. Aus 100 Pfd. können aber 9 und mehr Pfd. Theer gewonnen werden, vorausgesetzt, daß der Torf sich zur Verschwelung eignet.

Eine Tonne grubenfeuchter Braunkohle, wie sie von hiesigen Schwelereien als geeignetes Schwelmaterial erkannt und verarbeitet wird, wird ab Grube den Schwelereien gewöhnlich mit 4–6 Sgr. berechnet, kostet loco Fabrik mithin circa 6 Sgr., und ihr durchschnittliches Gewicht kann zu 320 Pfd. angenommen werden. 100 Pfd. kosten sonach circa 1 Sgr. 9 Pf. Da die durchschnittliche Theerausbeute per Tonne 25 Pfd. nicht übersteigt, so liefern 100 Pfd. Kohle durchschnittlich circa 8 Pfd. Theer.

Es steht sonach fest, daß Torf als Schwelmaterial mindestens eben so billig zu stehen kommt als Braunkohle und daß er, wenn geeignet, ein gleiches Theerquantum liefert. In diesem Falle ist auch der Werth des Torftheeres nur wenig geringer als der Werth des Braunkohlentheeres.

Die Destillationsrückstände des Torfes liefern Kohks, welche entweder als Brennmaterial verwerthet, oder zu Geld gemacht werden können. Die Rückstände der Braunkohle sind aber werthlos.

Ebenso werthlos als letztere sind die Destillationswässer der Braunkohle, während die Destillationswässer des Torfes entweder Essigsäure etc. oder Ammoniak in verwerthbaren Mengen enthalten. Hierdurch und durch den Werth der Torfkohks werden die Differenzen im Werthe beider Theersorten ausgeglichen.

Es kann nach diesen allgemeinen Betrachtungen keinem Zweifel unterliegen, daß geeigneter Torf bei richtiger Behandlung und bei rationeller Leitung der Gewinnungs- und Fabricationsarbeiten auch für die Darstellung von Leuchtstoffen noch immer und wohl dauernd mit der Braunkohle in Concurrenz treten kann. So hoffnungslos, wie in neuerer Zeit fast allgemein angenommen wird, ist die Verwerthung des Torfes auch auf Beleuchtungsmaterialien daher nicht!

Grube v. d. Heydt bei Halle a. S., im Februar 1863.

 Miscellen.

Der große Dampfpflug-Proceß in London.

In den Tagen vom 21. bis 26. Februar des Jahres 1862 wurde vor den Geschworenen des Court of Common Pleas einer der in technischer Beziehung interessantesten Processe verhandelt, welche jemals in den Mauern von Guildhall zum Austrage gekommen sind.