Text-Bild-Ansicht Band 174

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und die jetzt erst geschweißte Röhre wird zugleich ihrer Länge nach ausgezogen. Natürlich werden für verschiedene Weiten verschiedene Ringe eingesetzt. So wie die Röhren aus dem Ofen herauskommen, brauchen sie nur noch gerichtet und an den Enden beschnitten zu werden. Dr. Lunge. (Breslauer Gewerbeblatt, 1864, Nr. 21.)

Das Magnesiumlicht; von Dr. J. Schnauß.

Der Magnesiumdraht ist jetzt leicht und zu einem gegen sonst verhältnißmäßig billigen Preis Zu bekommen.66) Das Magnesium oxydirt sich bei gewöhnlicher Temperatur zwar nicht merklich in trockener Luft, jedoch bis zu seinem Schmelzpunkt, welcher den des Bleies nicht viel übersteigt, erhitzt, verbrennt es sogleich mit blendend weißem Lichte zu Magnesia (Magnesiumoxyd). Diese Magnesia ist es wahrscheinlich, welche durch ihr Weißglühen im Momente des Entstehens die außerordentliche Leuchtkraft des brennenden Magnesiums erzeugt, ähnlich dem weißglühenden Kohlenstoff in der Flamme jedes kohlenstoffhaltigen Körpers oder wie beim Glühen des kohlensauren Kalkes in der Löthrohr- oder Knallgasflamme, wobei sich ein dem Magnesiumlichte ähnliches Licht von blendender Weiße zeigt. Das erstere scheint stärkere photochemische Eigenschaften zu besitzen, als jedes andere bis jetzt bekannte künstliche Licht; ein Draht von der Stärke einer gewöhnlichen Steck- oder Haarnadel und etwa 5 bis 6 Zoll lang wiegt ungefähr 1/5 Grm. und genügt zur photographischen Aufnahme eines kleinen Kupferstiches oder ähnlichen flachen Körpers. Will man einen größeren, gerundeten Gegenstand photographisch aufnehmen, eine Statue oder ein Porträt, so muß man 2 Drähte von genannter Größe gleichzeitig abbrennen, den einen auf der anderen Seite des Objectivs und etwas weiter davon entfernt. Man kann durch Aenderung der Entfernung und Stellung der brennenden Drähte, auch während der Aufnahme, verschiedene Lichteffecte erzielen. Bei einer weißen Statue braucht man natürlich nur die Hälfte Draht zu verbrennen, welche nöthig ist, um ein gutes Porträt zu erzeugen, und zu einem kleinen Kupferstich bedarf man noch weniger.

Man wird zur bequemen Handhabung eine kleine Maschine erfinden müssen, welche den Draht langsam und gleichmäßig, der Schnelligkeit des Verbrennens entsprechend, in die Flamme schiebt und wo möglich, vielleicht durch eine kleine continuirliche Erschütterung des Drahtes, die gebildete Magnesia sofort entfernt, weil dadurch oft viel Draht unverbrannt abschmilzt, daß er von der gebildeten Magnesia umhüllt wird. (Photographisches Archiv, 1864 S. 415.)

Ein sehr einfaches Surrogat für Stimmgabeln.

Es ist eine gewiß schon von Vielen gemachte Beobachtung, daß beim Zusammenrollen eines Blattes steifen Papiers außer dem unbestimmbaren Geräusche der über einander geführten Ränder ein eigenthümlicher Ton von sehr wohl bestimmbarer Höhe vernehmlich wird, der, wie man sich durch ein paar Versuche leicht überzeugen kann, lediglich von der Breite des gerollten Papiers, d.h. von der Länge der entstehenden Rolle abhängt. Der Versuch zeigte, daß zur Hervorbringung dieses Tons das unbedeutendste Geräusch, das leiseste Klopfen oder Trommeln mit zwei Fingern auf die äußere Papierfläche, ja das bloße Hinstreichen eines Fingers über die Kante der einen Mündung etc. ausreicht.67)

66)

Aus Hektor Rößler's chemisch-metallurgischem Laboratorium in Frankfurt a. M. zu beziehen.

67)

Nur muß man, wenn es sich um Bestimmung der Tonhöhe handelt, die Papierrolle nicht etwa (der deutlicheren Wahrnehmung wegen) mit dem anderen Ende dicht an's Ohr halten, – weil nämlich dadurch der Ton, analog der Wirkung einer theilweise gedeckten Pfeife, sofort erniedrigt wird. Bei sehr schwachem Tone genügt es vielmehr, das Ohr der Papierröhre seitlich, in der Nähe ihres einen Endes, zu nähern, so daß es keinen Theil ihrer Mündung verdeckt.