Text-Bild-Ansicht Band 178

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des austretenden Wassers schwankte je nach der verwendeten Menge zwischen 20 bis 30° C.; es ließ sich aber kein Einfluß dieser Schwankungen auf den Gang der Maschine wahrnehmen. Das Schmieren mußte häufig und mit großen Mengen wiederholt werden. Die Leistung der Maschine schwankte zwischen 0,956 und 0,998 Pferdekraft, der Gasverbrauch betrug bei regelmäßigem Gange durchschnittlich 2984 Liter, also ziemlich 3 Kubikmeter per Stunde und Pferdekraft.

Die Unterhaltungskosten werden viel höher seyn als die einer Dampfmaschine; setzt man alle anderen Kosten als gleich voraus, so wird die Dampfmaschine höchstens 5 Kilogramme Kohle im Preise von 0,15 Frcs. verbrauchen, während die 3 von der Lenoir'schen Gasmaschine verbrauchten Kubikmeter Gas in Mülhausen Privaten 0,90, Industriellen 0,75 Frcs. kosten, ihr Darstellungspreis aber 0,50 Frcs. beträgt. Allein auch die Voraussetzung, daß alle anderen Kosten gleich seyen, ist nicht richtig; zunächst ist das Schmieren bei der Gasmaschine, die per Pferdekraft täglich circa 1 Kilogramm Oel erfordert, weit kostspieliger, außerdem erfordert die Batterie besondere Ausgaben, endlich erspart die Maschine auch durchaus nicht einen Heizer. Eine Dampfmaschine von 1 Pferdekraft erfordert wenig Arbeit von Seiten des Feuermannes, der daher sehr wohl noch mit einer anderen Arbeit beschäftigt werden kann; die Lenoir'sche Gasmaschine aber erfordert die vollständige Aufmerksamkeit des Arbeiters, der mit ihrer Unterhaltung und Schmierung beauftragt ist.

Das ist für die Praxis vielleicht ihr wesentlichster Uebelstand. Denn diese leicht aufzustellende Maschine hat den unläugbaren Vorzug, nur während der Arbeit selbst Gas zu consumiren, sie ist daher für intermittirende Arbeiten ganz vorzüglich geeignet. Für einen Arbeiter, der täglich zehnmal 1/4 Stunde lang Betriebskraft braucht, kann diese Maschine, selbst wenn sie 2 1/2–3 Frcs. für diese Zeit kostet, sehr wohl von Vortheil seyn. Wenn er aber die Maschine während der Arbeit fortwährend schmieren muß und sich mit nichts Anderem beschäftigen kann oder einen besonderen Heizer nehmen muß, so tritt der Vortheil doch sehr zurück. Jedenfalls kann die Lenoir'sche Maschine nur eine sehr beschränkte Verwendung finden, bevor die angegebenen Uebelstände beseitigt sind. (Deutsche Industriezeitung, 1865, Nr. 43.)

Großartiger Bessemer-Guß.

In den neuen Werken von Bessemer u. Söhnen zu Eastgreenwich bei London fand in der zweiten Hälfte des Octobers der Guß eines Bessemer-Blockes in dem enormen Gewichte von hundert Tonnen (1814 Wiener Centner) mit dem besten Erfolge statt. – Hr. Sectionsrath Ritter von Schäffer, welcher dieser interessanten Cyclopen-Arbeit beiwohnte, theilt uns darüber einige Notizen mit, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen; denn obgleich in Eisen und Stahl schon größere Massen gegossen wurden, so gewinnt doch die ganze Manipulation ein erhöhtes Interesse durch die Anwendung des Bessemer-Metalles.

Der Kupolofen, in welchem die ungeheure Masse Stahl geschmolzen wurde, ist nach dem patentirten Systeme von Ireland u. Söhnen construirt; er schmilzt 13 Tonnen (zu 18. 14 Wiener Ctr.) in der Stunde und verbraucht 3 Centner Kohks auf 50 Centner Metall. Die flüssige Bessemer-Masse wurde in eine versenkte Form in Mengen von ungefähr 4 Tonnen in je 20 Minuten gegossen, so daß die ganze Operation von Früh bis Abends fertig war. Der Gußblock wird auf demselben Flecke, wo er gegossen wurde, als Amboß für einen auf Stahl eingerichteten Dampfhammer verwendet werden und wird beiläufig sechs Wochen zum vollständigen Abkühlen brauchen. Die Bestimmung des Blockes ist ein nicht zu übersehender Fingerzeig für die Dimensionen, welche die Bessemer-Industrie schon jetzt einnimmt. Wo man früher Eisen verwendete, sucht man jetzt Bessemer-Metall zu substituiren; die Eisenbahnen- und Schiffstechnik kann desselben nicht mehr entbehren. Wie der Berichterstatter in Erinnerung bringt, hat die Rhederei die Vorzüge des Bessemer-Stahles anerkannt, seitdem im verflossenen Jahre das Schiff „Clytemnestra“ im Calcutta-Strome einer Cyclone glücklich widerstand, welche gewöhnliche Fahrzeuge zehnmal in den Grund gebohrt hätte; und was die Eisenbahnen betrifft, so sind die Bessemer-Schienen wegen der großen Dehnbarkeit namentlich dort ganz unersetzlich, wo die intensive Kälte, wie in Canada, das spröde Eisen zu einem höchst gefährlichen Material macht. Soll doch