Text-Bild-Ansicht Band 178

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Körner bildet, die überall vom Kalke umgeben, mit demselben aber nicht vermengt sind.

Nach verhältnißmäßig kurzer Zeit (10 bis 12 Minuten) ist der Inhalt dreier Gefäße (zusammen 0,245 Kubikmeter betragend) so weit verarbeitet, daß das Ganze wie appetitliche Kalkpräparate erscheint, die man ohne irgend eine Unannehmlichkeit zu empfinden in die Hand nehmen und den Magazinen überweisen kann, aus welchen sie ohne Weiteres als künstlicher Dünger verkauft werden. Beim Aufbrechen der gebildeten Knollen zeigt sich der ganze Inhalt sofort als mehr oder weniger frisches, menschliches Excrement.

Düngerbereitung aus den flüssigen Excrementen. – Was nun die Düngerbereitung aus Urin anlangt, so wird zuerst gebrannter Kalk mit Urin zu Pulver gelöscht, wobei er zu dem 2 1/2fachen des ursprünglichen Volums aufschwillt; hierauf übergießt und vermengt man ihn mit einer größeren Menge Urin, von dem er nun noch ein eben so großes Volumen absorbirt, als sein eigenes in dem aufgequollenen Zustande ist. Der Vortheil dieser in zwei Perioden stattfindenden Zufügung des Urines zum Kalke besteht darin, daß 1 Hektoliter Kalk im Ganzen 3 Hektoliter Urin aufzunehmen vermag, d.h. viel mehr als nach der sonst schon bekannten Methode, den Kalk direct und sogleich mit dem ganzen einzuverleibenden Urinquantum zu mischen. –

Gegen die Mosselmann'sche Düngerbereitung stellt der unter dem Titel: „Ueber Abfuhr und Verwerthung der Dungstoffe“ im Buchhandel erschienene Commissionsbericht an das königl. preußische Ministerium wesentliche Bedenken auf.

1 Kbkf. gebrannter Kalk = 83 Pfd. braucht 41 1/2 Pfd. Urin = 0,65 Kbkf., um in Kalkhydrat übergeführt zu werden, vergrößert dabei sein Volumen auf 2 1/2 Kbkf. und kann dann 2 1/2 Kbkf. Fäces aufnehmen, um damit „animalisirten Kalk“ zu bilden; zur Darstellung von chaux supersaturée d'urine (mit Urin übersättigtem Kalk) bedarf 1 Kbks. Kalk 3,15 Kbkf. Urin. Rechnet man auf die Person rund 10 Kbkf. gewinnbarer Excremente jährlich, so würde Berlin (1861 : 547,571 Einw.) jährlich circa 550,000 Kbkf. Fäces und 4,900,000 Kbkf. Urin liefern, zu deren Ueberführung in animalisirten und mit Urin übersättigten Kalk jährlich 1,660,000 Kbkf. gebrannter Kalk nöthig wären, d.h. etwa sechsmal so viel als jetzt die großartigen Rüdersdorfer Kalkbrüche liefern; viele Städte würden sich die nöthige Kalkmenge gar nicht verschaffen können.

Nach den Industrie-Blättern würden die Herstellungskosten des Productes für Berlin, wenn man den Kalk zu den Selbstkosten berechnet, etwas über 5 Sgr. per Centner betragen, während der Dungwerth an Stickstoff und Phosphaten 2 1/6 Sgr. per Centner beträgt.

Ein noch wichtigeres Bedenken möchte darin liegen, ob es rathsam ist, dem Boden so große Mengen Kalk zuzuführen (mit jeder Düngung von 115 bis 237 Kbkf. Latrinenstoffe auf den Morgen 35,6 bis 73,5 Kbkf. gebrannten Kalkes dem Boden einzuverleiben).

Bei der Desinfection der Senkgruben nach dem Müller-Schür'schen System (beschrieben S. 78 in diesem Bande des polytechn. Journals) erhält man Kalkexcremente mit bei weitem geringerem Kalkgehalte.

Ergänzung der Berichtigungen zu der in Bd. CLXXVII S. 173 enthaltenen Abhandlung über die künstlichen Metallconstructionen der Geschützrohre.

S. 175 Zeile 18 von oben anstatt: 110 zu lesen: 119;
S. 183 9 von unten anstatt: r₀(N₀ – N₁) – (r₁ – r₀)N₀ zu lesen:
r₀(N₀ – N₁) – (r₁ – r₀)N₁;
S. 183 2 von unten aber – N₀ stehen zu lassen;
S. 184 9 von unten anstatt: (r₁ – r₀)²π zu lesen: (r² – r₀²)π.