Text-Bild-Ansicht Band 186

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durchbohrt, ohne zu zerbrechen; die dabei entstehenden Oeffnungen sind klein und wenig verschieden bei größerer oder geringerer Geschwindigkeit des Projectiles. Eine vollkommen runde Oeffnung kann dabei erzielt werden, wenn die Tafel entweder von einem hölzernen Rahmen gehalten oder an mehreren Punkten unterstützt wird; nur gelingt der Versuch bloß bei schwachen Ladungen. Anders hingegen sind die Erscheinungen, wenn eine Pistolen- oder Flintenkugel von Blei oder Gußeisen gegen eine Bleiplatte abgeschossen wird: großen Geschwindigkeiten entsprechen dabei die größten Schußlöcher und zwar in der Art, daß man aus dem Durchmesser der Oeffnung fast auf die Geschwindigkeit des Projectiles, welches jene hervorgebracht hat, zurückschließen könnte. Bei großen Geschwindigkeiten bleibt die Bleischeibe eben, bei geringen aber wölbt sie sich, und zwar entstehen dabei auf beiden Seiten Sprünge von symmetrischer Anordnung. – Eigenthümlich waren die Resultate jener Versuche, bei denen Lamellen von plastischem Thon als Schießscheiben verwendet wurden. Bei gleich bleibender Geschwindigkeit waren dabei die Schußöffnungen um so beträchtlicher, je dicker – bis zu einer bestimmten Grenze – die Platten waren; der Durchmesser der vom Projectile gebohrten Oeffnung wächst mit der Geschwindigkeit des letzteren; so z.B. brachte man mit einer Pistolenkugel von 12 Millimet. Durchmesser und 10 Grammen Gewicht bei einer Ladung von 0,15 Grammen Pulver in einer Lamelle aus gewöhnlichem sehr plastischem Thon eine Oeffnung von beiläufig 24 Millimet. hervor, während dasselbe Projectil bei einer Ladung von 2,5 Grammen Pulver ein Loch in der Lamelle erzeugte, das den Spuren eines Projectiles eines 4 pfundigen Feldgeschützes (du canon 4 de campagne) glich; dabei sind die auf beiden Seiten hervorgebrachten Sprünge von der Art, daß man die Schußseite nicht mehr zu erkennen vermag, während ein Theil des Thones der getroffenen Seitenfläche in dem Sinne abspringt, woher der Schuß kam. Vereinigt man zwei (quadratische) Thonlamellen von etwa 15 Millimet. Dicke und 25 bis 30 Centimetern Seite, indem man dieselben im befeuchteten Zustande aneinander drückt, um ihre Oberflächen in Contact zu bringen, und schießt gegen dieses Paar eine Pistolenkugel mit 2 Grammen Pulverladung ab, so werden die vorher genannten Erscheinungen wahrgenommen, und außerdem findet eine partielle Trennung unter gleichzeitiger Wölbung beider Plättchen statt, so daß sich gleichsam eine biconvexe Hohllinse bildet, deren Mittelpunkt durch das von der Kugel herrührende Loch bezeichnet wird; die auf diese Weise entstandene Bohrung hat einen Durchmesser von mehr als 10 Centimeter. – Die übrigen Versuchsreihen, welche der Verfasser erwähnt, beziehen sich auf die durch anhaltenden Druck und den Stoß gegen Glasscheiben, deren Dicke von 1 bis 5 Millimetern wechselte. Im Allgemeinen hat sich dabei ergeben, daß schwache Ladungen (von 1,2 Grm. und 0,2 Grm.) und leichte Geschosse nahe dieselben Erscheinungen bewirken, wie sie durch unmittelbaren und andauernd fortgesetzten Druck hervorgebracht werden; nur waren bei etwas stärkeren Ladungen die Sprünge, welche um die vom Projectile erzeugte Oeffnung entstanden, von anderer Beschaffenheit; eine Ladung von etwas größerer Stärke (von 2,5 Grm. Pulver) bewirkte bei Anwendung einer mit der Pistole abgeschossenen Bleikugel ein vollständiges Zersplittern der Glasscheibe, während die Splitter dabei in derselben verticalen Ebene abfielen, in welcher die Scheibe aufgehängt war. Auch hier findet Melsens eine Analogie mit den früher angegebenen Erscheinungen, bei welchen die vom Projectile mit fortgerissenen Luftmassen die wesentliche Rolle einnehmen sollen.

Ausdehnung der Telegraphenlinien.

Die Gesammtlängen der Telegraphenlinien auf den verschiedenen Continenten unseres Erdballes vertheilen sich, unter Anschluß der unterseeischen Linien, auf die verschiedenen Ländergebiete nach einer in Les Mondes (t. XV p. 99; September 1867) hierüber gegebenen Notiz in folgender Weise: Deutschland 6480, Rußland 5096, Frankreich 4709, Großbritannien 3588, Italien 2138, Spanien und Portugal 1048, Schweden und Norwegen 1274, Vereinigte Staaten Nordamerika's 8996, Indien 3308, Schweiz 540, Belgien 281, Süd-Amerika 832, Australien 367 geographische Meilen. Die Gesammtlänge aller Linien erreicht also fast die Größe von 39000 geographischen Meilen, um 9000 Meilen mehr als im Jahre 1861. Die wirkliche Länge der Drähte dürfte mehr als das Doppelte dieser Zahl ausmachen.