Text-Bild-Ansicht Band 187

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Titerstellung mit großen Mengen 1/10 Jodsolution, aus zweimal sublimirtem Jod bereitet, zur richtigen Concentration.

Weder stärkere Concentration, noch größere Verdünnung, noch ein mäßiger Zusatz freier Salzsäure beeinträchtigen das Resultat, dessen Genauigkeit nach einer Anzahl (in unserer Quelle mitgetheilter) Belege völlig zufrieden stellt. (Fresenius' Zeitschrift für analytische Chemie, 1867 S. 129.)

XCVI. Ueber die Hydrate der Zinnsäure; von Musculus.

Aus den Comptes rendus, t. XV p. 961; December 1867.

Die Zinnsäure oder das Zinnoxyd, SnO², bildet zwei Hydrate, welche als Zinnsäure und Metazinnsäure bezeichnet werden. Diese Verbindungen sind für die Geschichte der Chemie von großem Interesse, indem sie das erste Beispiel zweier Körper lieferten, welche, obgleich sie dieselbe chemische Zusammensetzung haben, nicht dieselben Eigenschaften besitzen. Berzelius beobachtete diese Thatsache bereits im J. 1811 und bezeichnete diese Erscheinung mit dem Namen Isomerie. Später beschäftigte sich besonders Fremy mit den Verbindungen dieser Hydrate mit Alkalien und fand, daß sie nicht gleiche Sättigungscapacität haben; dem gewöhnlichen Zinnsäurehydrate gab er die Formel SnO², HO; man erhält dasselbe durch Fällen einer Lösung von Zinnchlorid mit einem Alkali oder einer Lösung von zinnsaurem Kali mit einer Säure; der durch Behandeln von metallischem Zinn mit Salpetersäure dargestellten Säure gab er die Formel Sn²O¹⁰, 5 HO. Diese wichtige Arbeit führte auf die Vermuthung daß es noch andere, in ihrer Zusammensetzung zwischen den eben angeführten beiden Verbindungen stehende Hydrate gibt. Diese noch unbekannten Körper aufzufinden, war der Zweck meiner Untersuchungen.

Bekanntlich wandelt sich Zinnsäure rasch in Metazinnsäure um, wenn sie mit Wasser gekocht wird; dieselbe Umsetzung findet langsamer statt, wenn man Zinnsäure bei gewöhnlicher Temperatur trocknen läßt.

Frisch ausgewaschene Zinnsäure ist in concentrirter Salpetersäure und Chlorwasserstoffsäure löslich, sowie in Aetzkali, von welchem ein großer Ueberschuß (als festes Kalihydrat zugesetzt) einen krystallinischen Niederschlag (Hydrat Nr. 1) hervorruft.