Text-Bild-Ansicht Band 190

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sich geht, also das, was man Vulcanisiren nennt, nicht eintritt, so wird doch durch den Schwefel ein ähnlicher Zustand bewirkt und die Masse verbessert.

Zur ursprünglichen Ledermasse kann man statt Oel und Glycerin auch Holztheer hinzufügen, und zwar bis 33 Proc. vom angewendeten Leder; es dauert aber etwas lange, bis man eine homogene Masse erhält. Weniger Holztheer, etwa 15 bis 20 Proc., werden leicht aufgenommen, sobald das Wasser aus der Masse verdampft ist. Behandelt man Leder mit den früher angegebenen Mengen von Weinsäure, so erhält man Massen, die sehr schnell nach dem Erkalten hart und brüchig werden; wäscht man vollends die Säure mit warmen Wasser aus und formt aus der warmen Masse irgend welche Gegenstände, z. B. Bilderrahmen, Reliefs, Globen u. s. w., so werden dieselben nach einigen Tagen sehr hart und fest.

Fügt man zu der Masse, die noch Säure enthält, Braunstein oder doppelt-chromsaures Kali hinzu, so wird durch ersteren Körper langsam, durch den zweiten schnell Sauerstoff entwickelt, der die Gerbsäure weniger zu verändern scheint, als das leimgebende Gewebe, das dadurch hart, spröde und ungefügig wird. Die Sauerstoffentwickelung der Braunstein enthaltenden Masse beginnt oft erst nach einigen Tagen, so daß die daraus gegossenen Stücke noch Wochen lang immer größer werden und schließlich beim Durchschneiden ein höchst poröses Innere zeigen. Was die verschiedenen Arten der Leder betrifft, so lösen sich am leichtesten und auch bei der niedrigsten Temperatur die sogenannten Feilspäne der Schäftefabriken, wovon in Berlin jährlich circa 500 Ctr. zu haben sind. Diese brauchen gar nicht weiter zerkleinert zu werden. Alle übrigen Abfälle von Oberleder müssen in kleine Stücke zerschnitten werden, in welchem Zustande sie sich ebenfalls leicht lösen. Die Abfälle von Sohlenleder müssen am besten mit einer dünnen Lösung von Weinsäure gekocht werden; die dadurch erhaltene Masse wird nach einigen Tagen sehr hart und es ließen sich daraus mit Vortheil Kalanderwalzen für Baumwollendruck herstellen. Verschiedene Ledersorten, nämlich solche, die sich leichter, und solche, die sich schwerer lösen, darf man nie zusammen behandeln, weil das, was sich leichter löst, länger der Wärme ausgesetzt werden muß, als es nöthig ist und darunter leidet, ja jeder Grad Wärme, den man zu viel giebt, von Uebel ist.

Es ist bekannt, daß Gerbsäure durch alle starken mineralischen Säuren und durch viele Salze gefällt wird, aber es gibt nur sehr wenige Körper, welche die Verbindung der Gerbsäure mit der thierischen Haut aufheben und sich so entschieden und so fest mit ersterer verbinden, daß der