Text-Bild-Ansicht Band 192

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CXX. Mühlsteinschärfmaschine von S. Golay in Nyon (Canton Waadt); beschrieben vom Civilingenieur Hermann Fischer in Hannover.

Aus den Mittheilungen des hannoverschen Gewerbevereines, 1869 S. 3.

Mit Abbildungen auf Tab. VII.

Zu den tiefgreifendsten Neuerungen im Müllergewerbe gehört die Einführung der französischen Mühlsteine. Die Mühlsteine sind das eigentliche Werkzeug; befindet sich dieses nicht auf der Höhe der Zeit, so ist das Uebrige (die Mittel, den Stein zu drehen, das Mehl von den Kleien zu trennen u. s. w.) einer wesentlich günstigen Einwirkung auf den Mahlproceß nicht fähig. Die sogenannten französischen Steine haben sich nun, für den größten Theil des Mahlprocesses, als unübertroffen gezeigt. Es gibt heute keine Mühle mehr, die gutes — namentlich Weizen- — Mehl, in größeren Mengen erzeugte, ohne französische oder diesen ähnliche Steine anzuwenden.

Eine der besten, aber gleichzeitig in anderer Hinsicht unangenehmsten Eigenschaften der französischen Mühlsteine, ist deren große Härte. Sie lassen sich nicht mit denselben Werkzeugen behandeln, welche für die früher allein gebräuchlichen weicheren Sand- und Lavasteine ausreichten. Der beste Stahl, von der geschicktesten Hand gehärtet, genügt nur, die Härte der französischen Steine einigermaßen zu überwinden.

Die französischen Steine bedürfen überhaupt einer weit sorgfältigeren Schärfung, als die früher allein gebräuchlichen Steine, da nur mit Hülfe der Schärfung ihre großen Vorzüge vollständig zur Geltung kommen können. Der Müller hat daher auch für geschickte und mit Ueberlegung arbeitende Leute zu sorgen, denen er das wichtige Geschäft des Schärfens übertragen kann. Hierzu geeignete Arbeiter finden sich aber um so schwerer in genügender Zahl, als das Schärfen selbst eine Arbeit der anstrengendsten Art ist. Der zuerst angedeuteten Schwierigkeit, genügend widerstandsfähige Werkzeuge zu schaffen, suchte man durch sorgfältige Auswahl der Stahlqualität und durch geschicktes Härten entgegenzutreten. Haben doch einzelne Werkstätten einen solchen Ruf in der Herstellung von „Mühlpicken“ sich erworben, daß viele Müller sich nicht scheuten, ihren Bedarf an diesem Werkzeuge aus Hunderte von Meilen entfernten Orten zu beziehen.

Vielfache Bemühungen wurden gemacht, das Geschäft des Schärfens zu einem, keine besondere Geschicklichkeit fordernden, umzuwandeln, oder