Text-Bild-Ansicht Band 196

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CXLVIII. Die amorphe Kieselsäure als Fixirungsmittel für Farbstoffe; von Dr. M. Reimann.

Es ist nicht unbekannt, daß in Wasser lösliche Farbstoffe von pulverförmigen Körpern einer gewissen Gattung mit einer Begierde aufgenommen werden, welche der gleich ist, mit welcher die textilen Fasern sogenannte substantive Farbstoffe anzuziehen pflegen. Man weiß z.B., daß die Stärke mit ziemlich großer Kraft die substantiven Anilinfarbstoffe an sich zieht und festhält, so daß man durch Behandlung von Stärkemehl mit kalten Lösungen von Anilinfarbstoffen gefärbte Pulver hat darstellen können, welche häufig zum Tapetendruck Anwendung finden. Ebenso ist es bekannt, daß ungefärbte Niederschläge, welche in einer Flüssigkeit entstehen, in der Farbstoffe sich aufgelöst befinden, davon so viel in sich einschließen, daß sie, wenn auch nur schwach, dadurch gefärbt erscheinen. Sehr hübsche Resultate gibt in dieser Hinsicht die Fällung von schwefelsaurem Baryt in Flüssigkeiten, welche Anilinfarbstoffe aufgelöst enthalten.

Alle diese Fällungen indessen haben für die Färberei nur sehr untergeordnetes Interesse gehabt, und es ist bisher noch kein pulverförmiger oder poröser Körper, so viel mir bekannt, zur allgemeinen Kenntniß gebracht worden, welcher ganz wie die Faserstoffe selbst, den substantiven wie adjectiven Farbstoffen gegenüber, zu wirken im Stande ist.

Durch gewisse Manipulationen der neueren Färberei, beim Färben von Baumwolle mit Anilinfarben, wurde der Verfasser auf die enorme Absorptionskraft der Kieselsäure und der ihr ähnlichen Körper für Farbstoffe hingewiesen.

Eine Verbindung der Kieselsäure war schon früher mit substantiven Farbstoffen gefärbt worden. Man hatte dem Glimmerpulver, welches eine Verwendung als Streusand findet, durch Einlegen in eine Lösung von Anilinfarbstoffen die brillanten Farben dieser Producte mit mehr oder weniger Erfolg mitzutheilen versucht. Diese Versuche hatten sich aber nie auf andere Verwendungen der Absorptionskraft von Kieselverbindungen für Farben erstreckt.

Die gefällte Kieselsäure, welche sich aus Wasserglaslösung auf Zusatz von Säuren als eine Gallerte ausscheidet und beim Trocknen in ein unfühlbares weißes Pulver verwandelt wird, zeigt in höchst überraschender Weise die Eigenschaft, bei Berührung mit Lösungen substantiver Farbstoffe, diese ihres Farbstoffgehaltes zu berauben und mit adjectiven Farben bei