Text-Bild-Ansicht Band 202

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Ein kleines mit Wasser gefülltes Becherglas von circa 70 Millimeter Höhe und 40 Millimeter Durchmesser wird bis ungefähr 70° C. erwärmt, und auf das erwärmte Wasser ein kleines Stückchen des zu untersuchenden Paraffins geworfen, so groß, daß es nach dem Zusammenschmelzen ein rundes Auge von etwa 6 Millimet. Durchmesser bildet. Sobald dasselbe flüssig ist, wird in das Wasser ein Celsius-Thermometer von der durch den Mineralölverein festgestellten Einrichtung so tief eingetaucht, daß das längliche Quecksilbergefäß des Thermometers ganz von Wasser bedeckt wird. In dem Augenblicke wo sich auf dem Paraffinauge ein Häutchen bildet, wird der Schmelz-, resp. Erstarrungspunkt an der Scala des Thermometers abgelesen. Während dieser Operation muß das Becherglas durch eine Umgebung von Glastafeln sorgfältig vor Zugluft geschützt werden und darf der Hauch des Mundes beim Beobachten der Scala das Paraffinauge nicht treffen. Hierbei wird allerdings eigentlich der Erstarrungs- und nicht der Schmelzpunkt des Paraffins ermittelt, doch kann dieß ohne Gefahr geschehen, da einmal Schmelz- und Erstarrungspunkt überhaupt nicht weit von einander entfernt liegen und es andererseits für praktische Zwecke weniger darauf ankommt, den Schmelzpunkt absolut richtig zu bestimmen, als eine Methode für die Ermittelung zu besitzen, welche leicht anwendbar ist und dabei wenn auch nicht absolut richtige, so doch bei annähernder Richtigkeit stets gleiche Resultate ergibt. (Journal für Gasbeleuchtung, 1871 S. 688.)

Anwendung von Sauerstoffgas zum Reinigen der Steinölbrunnen von Paraffin.

Eine der wesentlichsten Ursachen des aufhörenden Fließens der Petroleumbrunnen oder der Verstopfung derselben, ist die Anhäufung von Paraffin, welches an den Seitenstößen des Brunnenschachtes selbst oder in den Klüften des das Oel liefernden Gesteines sich absetzt und dort anhaftet. Seit mehreren Jahren wurden mit Dynamit oder anderen Explosivstoffen geladene Torpedo's zur Entfernung dieses Paraffins angewendet; dieses Mittel versagte aber nicht nur zuweilen seinen Dienst, sondern es beschädigte auch nicht selten die Brunnen selbst sehr bedeutend oder veranlaßte sogar den Einsturz oder die gänzliche Versiegung des Brunnens. In Folge hiervon wurde ein neues Verfahren eingeführt, welches einfach darin besteht, daß man vermittelst Röhrenleitungen und Druckpumpen Sauerstoffgas in den Brunnen treibt und mit dem Paraffin in Berührung bringt, wornach letzteres angezündet wird. Man beginnt mit dem Feuer an den der Erdoberfläche zunächst befindlichen Stellen und setzt dasselbe nach abwärts und in die seitlichen Klüfte, in denen sich Paraffin angesammelt hat, fort; die Verbrennung des Paraffins dauert so lange als Sauerstoff zu ihrer Unterhaltung zugeleitet wird. Dieses Verfahren ist billiger und in seiner Wirkung weit zuverlässiger, als die Anwendung von Torpedo's, außerdem wird durch Benutzung desselben die Gefahr von Beschädigungen der Brunnen vermieden. (Aus der in San Francisco erscheinenden Scientific Press, August 1871, S. 98.)

Farrell's verbesserter Lampendocht.

Da der Docht einer brennenden Lampe stets in die Oelflüssigkeit reichen muß, so geht bei der jetzigen Gebrauchsweise stets ein Stück des eben zu kurz gewordenen Dochtes verloren Der Amerikaner J. Farrell hat sich nun die Herstellungsweile für Dochte patentiren lassen, daß von dem vollen Dochte ein oder zwei ganz schwache Saugfäden herabgehen, welche alsdann das Aufsteigen der Oelflüssigkeit vermitteln und schließlich verloren gehen. (Nach dem Scientific American, September 1871, S. 195.)