Text-Bild-Ansicht Band 202

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Hirn.“ Nach der Benutzung einer eingebrannten Form wird die durchbrannte Oberfläche etwa 1/3 Zoll dick abgesägt und wieder geglättet, worauf man den Klotz auf's Neue benutzen kann, bis er für die Maschine nach und nach zu niedrig wird.

Eine Hauptrolle bei der Planotypie spielt ferner die Legirung des verwendeten Metalles. Das Lindenholz ist zwar trotz seiner Weichheit immer zähe, und die feinsten Theilchen in der Zeichnung, welche beim Brennen stehen bleiben müssen, halten der glühenden Stanze gegenüber merkwürdig festen Stand. Nicht so würde dieß aber der Fall seyn, wenn man in die eingebrannte Form gewöhnliche Schriftmasse oder ein anderes nicht leichtflüssiges Metall gießen wollte. Es würden dabei nicht nur die feinsten Theile zerstört werden, sondern meist auch der ganze Klotz zerspringen. Das Wichtigste für den planotypischen Formenguß war daher eine Legirung, welche bei möglichst niedrigen Hitzegraden vollkommen fließt, gleichwohl aber nach dem Erkalten eine große Zähigkeit und Härte besitzt, die selbst die Festigkeit des gewöhnlichen Schriftzeuges, aus welchem die Typen für den Buchdruck gegossen werden, übertrifft, und zwar weil bei den planotypischen Platten oft feine Punkte, Zeichen und Linien in mindestens 1/8 Zoll Höhe vorkommen, die beim Druck sofort abbrechen oder sich verbiegen würden, wenn das Metall nicht eine außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit besäße. Eine Legirung von englischem Zinn mit ausreichenden Procenten von Wismuth würde diesen Anforderungen leicht entsprechen, aber zu kostspielig werden durch den jedesmaligen Abgang bei wiederholter Benutzung desselben Metalles; denn jede pianotypische Druckplatte, welche voraussichtlich nicht ein zweites Mal in Gebrauch kommt, wird natürlich wieder eingeschmolzen. Es mußte daher durch Versuche eine Legirung gefunden werden, welche bei den hohen Preisen des Wismuths sich billig stellt und dennoch allen Anforderungen entspricht.

Es ist wesentlich, daß eine solche Legirung schon bei wenig mehr als 100° C. vollkommen flüssig für den Guß ist; ein wesentlich höherer Hitzegrad würde die feinen Theile der Matrize zerstören, wenn nicht gar den Lindenklotz zerreißen. Die zu den Platten des Verf. verwendete Legirung entspricht allen Anforderungen bezüglich eines leichtflüssigen und dennoch ungemein dauerhaften, nicht zu theuren Metalles.

Von der großen Dauerhaftigkeit der Pianotypen gibt den Beweis eine größere Platte, welche zu fortlaufendem Bedarf schon seit zehn Jahren alljährlich in sehr großen Auflagen gedruckt wird und nahezu eine halbe Million Abdrücke geliefert hat, wobei nur eine geringe Abnutzung bemerkbar ist, die übrigens auch nur dadurch herbeigeführt wurde,