Text-Bild-Ansicht Band 202

Bild:
<< vorherige Seite

läßt sich deßhalb vermuthen, daß wahrscheinlich der größte Theil des Bleies dampfförmig wieder fortgeht.

Auf der Kupferhütte von Williams Forster bei Neath wird nach dem übereinstimmenden Urtheile der Swanseaer Schmelzer am geschicktesten und besten raffinirt. Hier hat auch Professor Percy in London (an der Bergakademie) seine Studien gemacht, welcher in seinem Lehrbuche der Metallurgie bei dieser Frage unter Anderem behauptet: „daß die Probe nach dem Bruche allein überhaupt nicht zutreffe, weil erfahrungsmäßig zuweilen ganz und gar derselbe Bruch total verschiedene Qualitäten des Metalles anzeigen könne.“

Es ist auch ganz richtig, daß die Beschaffenheit des Kupfers noch sehr wesentlich von der Temperatur abhängt, mit welcher gegossen wird. Wenn dasselbe beispielsweise beim Gießen ähnlich sich verhält wie Quecksilber, so sagt der englische Raffineur, das Kupfer ist zu heiß, und es wird dann leicht brüchig, wenn es auch chemisch noch so tadellos ist.

Wir können zu den vorstehenden Bemerkungen nur hinzufügen, wie einen Beweis dafür, daß bei gutem reinem Kupfer ein Zusatz von Blei nicht erforderlich ist, außer dem schon angeführten Mansfelder, auch das russische Paschkoffkupfer liefert, welches fast chemisch rein ist und keine Spur von Blei enthält, dabei aber doch das ductilste Kupfer ist, welches man überhaupt antrifft. (Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure.)

Ueber die industrielle Ausbeutung einer Lagerstätte von Chlorkalium zu Kalutz in Galizien; von Ad. Jacot.

Zu Kalutz in österreichisch Galizien wurde vor zwei Jahren eine Lagerstätte von Sylvin aufgeschlossen, welcher dieselben Eigenschaften zeigt wie das zu Staßfurt vorkommende Mineral. Bald darauf fand man auch Kainit, und zwar in größerer Menge als den Sylvin. Der Kainit bildet zwei verschiedene Schichten; bei der Analyse ergab er:

schwefelsaure Magnesia 30,04
Chlorkalium 29,46
Chlornatrium 20,67
Chlorcalcium 1,27
–––––
81,44

Das Gestein wird ausgefördert und über Tage mit leichten Hämmern zu kleinen Stücken zerschlagen, welche dann zwischen Quetschwalzen in mehlfeines Pulver verwandelt werden. Durch Auflösen des letzteren in Wasser und Krystallisirenlassen wird der feine Schlamm nebst den fremdartigen Beimengungen entfernt; dadurch erhält man auch das Chlorkalium sowohl, als das Chlornatrium jedes für sich und im Zustande der Reinheit.

Das Chlorkalium wird getrocknet und in Säcke gefüllt, welche an die großen Fabriken chemischer Producte gesendet werden, besonders in die bei Pienna und in Wien bestehenden. In Preußen consumiren die Kattundruckereien eine sehr bedeutende Menge von diesem Salze. Die größte Quantität aber wandert in eine Schießpulverfabrik zu Semmering.

Die Gruben von Kalutz wurden schon seit langen Jahren auf die Gewinnung von Steinsalz betrieben; die Auffindung des Chlorkaliums datirt erst von zwei bis drei Jahren und doch übersteigt die Production von diesem Salze bereits tausend österreichische Centner (81100 Kilogrm.) per Tag.

Ich übergebe der (französischen) Akademie mit dieser Notiz die Abbildung und Beschreibung der zu Kalutz zur Gewinnung des Kaliminerales angewendeten Apparate. (Comptes rendus, t. LXXIII p. 995; October 1871.)