Text-Bild-Ansicht Band 203

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oder verwendbar gewordene chemisch latente Wärme eines sich lösenden oder zerfallenden Metalles und es ist eine höchst merkwürdige Eigenschaft der Metalle und einiger anderen Körper, dieselbe als strömende Elektricität an ihren Bestimmungsort zu leiten. Das Metall ist der Weg für das Unwägbare, das Wasser der für das Wägbare in der elektrischen Kette.

Elberfeld, im Januar 1872.

(Die Fortsetzung folgt.)

XIII. Ueber das Gefrieren des Wassers; von Boussingault.

Aus den Comptes rendus, 1871, t. LXXIII p. 77.

Die Kraft, mit welcher das Wasser sich bei seinem Gefrieren auszudehnen strebt, ist eine bedeutende, weil sie gleich seyn muß dem Druck, welcher auf ein Stück Eis ausgeübt werden müßte, um sein Volum um 0,08 zu verringern (die Dichte des Eises zu 0,92 angenommen). Auch ist längst erwiesen, daß diese Ausdehnungskraft im Stande ist, die stärksten Hüllen zu zerreißen. Als die Florentiner Akademiker eine mit Wasser gefüllte Hohlkugel von Kupfer einer intensiven Kälte aussetzten, barst dieselbe, obwohl die Metalldicke 67/100 Zoll betrug. Huyghens brachte im Jahr 1667 durch das Gefrieren des Wassers eine eiserne Kanone an zwei Stellen zum Platzen, obgleich sie eine Wanddicke von einem Zoll hatte.12)

Diese Versuche sind classisch geworden. Ich habe geglaubt, daß es von Interesse seyn würde, sie zu wiederholen und dabei das Wasser in einem Metallcylinder von viel größerer Festigkeit als einem von Eisen gefrieren zu lassen. Eine Stahlkanone z.B. erträgt, selbst bei schwacher Wanddicke, nach Artillerie-Versuchen einen Druck von mehreren Hunderten von Atmosphären. Angenommen der Stahl gewährte einen hinreichenden Widerstand, so dürfte man nach theoretischen Gründen erwarten, daß das in der Kanone enthaltene Wasser, ungeachtet der Temperatur-Erniedrigung, seinen flüssigen Zustand bewahre, und zwar wegen des

12)

Tubus ferrens, cujus crassities erat unus digitus, aqua impletus et rite occlusus fuit; post 12 horas duobus in locis scissus est (Du Hamel, Acad. reg., libr. I, §. 2, cap. I.