Text-Bild-Ansicht Band 203

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Außerhalb des Unterkessels aber und auf der äußeren Oberfläche desselben trägt sich Folgendes zu: Wenn die Temperatur des Wassers im Unterkessel bedeutend und in Folge dessen auch die der Kesselbleche unter 100° C. sinkt, so kühlen sich auch die Feuergase unter 100° C. ab. Nicht die ganze Masse derselben, – denn dann würde man eine so günstige Brennstoff-Ausnutzung erzielen, wie sie eben nicht vorhanden ist, der Schornstein würde aber auch noch schlecht ziehen, – wohl aber kühlen sich so bedeutend ab die Gastheilchen, welche unmittelbar an den Blechen hinstreichen, weil sie wenig Bestreben haben, sich wieder von den Blechen zu entfernen. Sinkt nun aber die Temperatur dieser Heizgase unter 100° C., so condensirt sich ein Theil des mitgeführten Wasserdampfes, welcher immer darin enthalten ist und sich namentlich aus unseren naß verfeuerten Braunkohlen in überreicher Menge entwickelt. Dieses condensirte Wasser schlägt sich natürlich an den condensirenden Flächen nieder und dieß sind die verticalen Flächen der Unterkessel. Die horizontalen Flächen haben diese Eigenschaft in ungleich geringerem Grade, die oberen, weil sie in Folge der Flugaschendecke, und die unteren, weil sie in Folge der Schlammschicht zu schlechte Wärmeleiter sind. Da nun das condensirte Wasser unfehlbar das Verrosten der Bleche herbeiführt, so ist es erklärt, weßwegen die verticalen Wandungen am raschesten zerstört werden; es bleibt aber noch zu erklären, weßhalb diese Wandungen unmittelbar hinter den Stemmfugen am meisten leiden. Auch für diese Erscheinung ist der Grund nicht schwer zu finden. Ein Eisenstück verrostet nämlich viel rascher, wenn die zur Verdunstung des auf ihm befindlichen Wassers erforderliche Wärme ihm vom Eisen, als wenn diese Wärme ihm von der Luft zugeführt wird. Im ersten Falle entwickeln sich die Dampfblasen unmittelbar auf dem metallischen Eisen und lockern, indem sie aufsteigen, den darüber gelagerten Rost auf, legen also die gesunden Eisentheile immer wieder für die Einwirkung der Nässe frei. Im zweiten Fall dagegen entwickeln sich die Dampfblasen an der Oberfläche des Wassers, der auf dem Eisen befindliche Rost wird also nicht aufgerührt und bildet demnach eine, wenn auch unvollkommene Schutzdecke für das Eisen. Dieser zweite Fall findet nun seine Anwendung auf die größere Fläche des Bleches, welche von den successive wärmer werdenden Feuergasen direct bestrichen werden kann; der erste Fall dagegen findet Anwendung auf die Blechstellen hinter den Stemmfugen. An diesen Stellen bildet sich eine stehende Gasschicht, welche das Blech vor der directen Einwirkung der Heizgase schützt; diese Stellen werden also noch mit Wasser benetzt seyn, wenn alle übrigen bereits wieder trocken sind. Inzwischen aber ist auch die Temperatur des Wassers im Vorwärmer auf mehr als 100° gestiegen und dieses Wasser gibt also jetzt seine Wärme durch die Bleche an die außen haftende Feuchtigkeit ab, letztere wird daher von unten aus verdampft und das Blech an diesen Stellen sehr rasch zerstört.

Die An des Brennmateriales, ob man den Kessel also mit Braunkohle, Steinkohle, Holz oder Torf u.s.w. heizt, vermag an dem besprochenen Resultate Nichts zu ändern.“

Abtragung eines Schornsteines auf einem englischen Eisenwerke.

Auf den Tees Iron works der HHrn. Gilkes, Wilson, Pease und Comp. zu Middlesbrough fiel dem Ingenieur Wood die Aufgabe zu, einen Schornstein zu demoliren und er löste dieselbe auf eine originelle Weise, wodurch ein rasches Abtragen und gleichzeitig möglichst geringe Beschädigung der Ziegel erreicht wurde, so daß letztere noch zu weiteren Bauzwecken verwendbar blieben. Auf die Sohle im Inneren des Schornsteines wurde ein luftdicht hergestellter Kasten gesetzt, welcher mit einer gut durch Kautschuk abgedichteten Thür versehen war. Eine hölzerne Röhre, am Deckel des Kastens befestigt, führte bis zur obersten Mündung des Schornsteines; dieselbe war 3 1/2 × 5 Zoll im Lichten, aus 1 1/8zölligen Bretern genagelt und an den Fugen mit etwas Bleiweißkitt (white lead) gedichtet. Die einzelnen Stücke, aus welchen die Röhre besteht, sind etwa 12 Fuß lang und durch gußeiserne Muffe und getheerte Seile verbunden. Wirft nun der Arbeiter, welcher oben am Schornstein demolirt, die Ziegel, welche eine Größe von 3 × 4 1/2 Zoll haben, in die Röhre, so ist hinreichend Spielraum, um so viel Luft entweichen zu lassen, daß diese herabfallen können; andererseis aber