Text-Bild-Ansicht Band 203

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geschehen ist) abzusehen sey. Die Commission faßt nun ihr Urtheil dahin zusammen, daß die comprimirte Schießbaumwolle,78) im Besonderen auch für militärische Zwecke, ein wirksames, zuverlässiges, sicheres, transportfähiges und bequem anzuwendendes Explosionsmittel sey; ein Grund, die Verwendung desselben aufzugeben, liege für das Kriegsministerium nicht vor. Der einzige mit Gefahr verbundene Proceß bei der Fabrication sey das Trocknen; bis zu diesem Fabricationsstadium enthalte die Masse 15 bis 20 Proc. Wasser. Allerdings ließen sich Bedenken gegen die Art erheben, wie das Trocknen in der durch Explosion zerstörten Fabrik zu Stowmarket ausgeführt worden sey, doch werde sich ohne Schwierigkeit eine Methode auffinden lassen, nach welcher der Proceß einfach und sicher in jeder beliebigen Localität ausgeführt werden könne. Was die Haltbarkeit der Schießbaumwolle betrifft, so besitzt das englische Kriegsministerium Proben, welche 9 Jahre alt und so gut wie neu hergestellte sind. (Mechanics' Magazine, Januar 1872, S. 47; deutsche Industriezeitung, 1879, Nr. 6.)

Verfahren zum Reinigen des Rohzuckers von einem Eisengehalt.

A. Drummond und Sterry Hunt in Montreal, Canada, nahmen kürzlich für Amerika ein Patent auf ein Verfahren um den Zucker von einem Eisengehalt zu reinigen; zu diesem Zweck wenden sie Schwefelbarium oder Einfach-Schwefelcalcium in Verbindung mit schwefelsaurer Magnesia an.

Der Auflösung von Zucker (oder dem Syrup) setzt man so viel Kalkmilch zu, daß sie schwach alkalisch wird. Dann wird das Schwefelbarium oder Schwefelcalcium in Pulverform, vorzugsweise aber in Wasser aufgelöst, zugesetzt, indem man das Ganze bei einer Temperatur zwischen 38 und 65° C. tüchtig umrührt.

Wenn diese Lösung nun einem mit Bleizucker befeuchteten Papier eine dunkle Farbe ertheilt, so ist die Menge des Schwefelbariums (oder Schwefelcalciums) hinreichend; außerdem muß mehr zugesetzt werden. Nun wird schwefelsaure Magnesia in Lösung zugesetzt, indem man von diesem Salze anderthalb Pfund für jedes Pfund Schwefelbarium oder für jedes halbe Pfund Schwefelcalcium verwendet. Das Ganze wird tüchtig umgerührt und erhitzt.

Eine geringe Quantität Blut oder Eiweiß erleichtert die nachfolgende Filtration. Das Ganze wird nun durch ein Filter passirt und ist dann für den nachfolgenden Raffinirproceß fertig. In den meisten Fällen werden zwei oder drei Pfund Schwefelbarium (oder beiläufig halb so viel Schwefelcalcium) für die Tonne Zucker ausreichend seyn.

Die Theorie des Verfahrens ist folgende: Das Eisen, welches als Oxyd in dem Syrup in Lösung gehalten ist, wird durch das Schwefelbarium (oder Schwefelcalcium) in Schwefeleisen verwandelt, welches unlöslich ist. Der nachherige Zusatz von schwefelsaurer Magnesia verwandelt alles überschüssige Schwefelbarium (oder Schwefelcalcium) in ein sehr unbeständiges Schwefelmagnesium, während der Baryt, wenn solcher angewandt wurde, als ein ganz unlösliches Sulfat abgeschieden wird, welches, man mit dem Schwefeleisen durch Filtriren absondert. (Scientific American, Januar 1872, S. 67.)

Künstliche Bildung der Honigsteinsäure.

Nach Schulze erfolgt die Umwandlung von Kohlenstoff in Honigsteinsäure durch Oxydation des ersteren mittelst Uebermangansäure in alkalischer Lösung, wodurch das natürliche Vorkommen der Mellithsäure in Braunkohlenlagern unserem Verständniß näher gebracht wird. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft zu Berlin, 1871, Nr. 14.)

78)

Die Fabrication der comprimirten Schießbaumwolle nach Abel's Verfahren zu Stowmarket ist im polytechn. Journal Bd. CCII S. 374 beschrieben.