Text-Bild-Ansicht Band 204

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Es stellte sich heraus, daß die ganze aus dem Monte-jus geschleuderte Masse keinen Zucker mehr enthalte, sondern gänzlich zu Caramel geworden war; es mußte also eine Zersetzung des gesammten Inhaltes des Gefäßes stattgefunden haben. Da eine solche nur bei unaufgelöstem Zucker in Verbindung mit Dampf von höherer Temperatur vor sich geht, so ist jedenfalls dem in das Monte-jus eingefüllten Zucker zu wenig Wasser zugesetzt worden, so daß ein Theil desselben nicht gelöst wurde. Ob nun die Ventile nicht ganz dampfdicht geschlossen waren, oder auf welche Weise die Zersetzung vor sich gegangen ist, lasse ich dahingestellt; es ist jedoch außer Zweifel, daß sich explosive Gase gebildet haben, Kohlensäure durch das Oeffnen des Lufthahnes frei geworden ist oder dergl. Dampfdruck von so hoher Spannung, um die Explosion herbeizuführen, war jedenfalls nicht vorhanden.

Unglücklicher Weise kostete dieser sonst gewiß höchst lehrreiche und interessante Fall ein Menschenleben. (Vorgetragen in der Sitzung des Breslauer Bezirksvereines deutscher Ingenieure vom 14. März 1872. – Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, Bd. XVI S. 255)

Verfahren um das zur Kesselspeisung bestimmte Condensationswasser von Fettstoffen zu reinigen; patentirt für die Maschinenfabrikanten Cail und Comp. in Paris.

Das Condensationswasser des aus den Maschinen abziehenden verbrauchten Dampfes ist bekanntlich stets mit Fettstoffen verunreinigt, welche zum Schmieren der mit diesem Dampfe in Berührung befindlichen reibenden Theile der Maschinen gedient haben.

Das neue Verfahren zum Reinigen solchen Condensationswassers besteht nun darin, diese Fettstoffe direct zu entfernen.

Hierzu sammelt man alles fetthaltige Wasser in einem gemeinschaftlichen Reservoir, um es hernach mittelst höchstens zweier Apparate zu reinigen. Jeder Reinigungsapparat ist mit einer kräftigen Rührvorrichtung (Schaufeln, archimedische Schraube etc.) versehen; man füllt ihn zu drei Vierteln mit dem zu reinigenden Wasser, dann setzt man Petroleum zu; man rührt während fünf Minuten und läßt 55 Minuten lang absetzen, daher die Operation im Ganzen eine Stunde dauert. Alles Petroleum sammelt sich über dem Wasser, nachdem es die in demselben enthaltenen Fettstoffe aufgenommen hat. Die Speisepumpe des Dampfkessels kann das gereinigte Wasser entweder direct aus dem unteren Theile des Reinigungsapparates entnehmen, oder aus einem Reservoir in welchem dasselbe nach seiner Reinigung gesammelt wird.

Aus den Beobachtungen der HHrn. Cail und Comp. geht hervor, daß die Quantität Fett welche sich täglich bildet, durchschnittlich ungefähr 2 Decigramme oder 1/5 Gramm per Pferdekraft und per Tag beträgt, und höchstens 1 Gramm, also 100 Grm. per Tag für eine Maschine von 100 Pferdestärken. Da nun ein Hektoliter Petroleum, welcher 80 Kilogrm. wiegt, die Hälfte seines Gewichtes Fettstoffe auflösen kann, somit 40 Kilogrm., so sieht man daß das Petroleum lange zu benutzen ist, ehe es ganz unwirksam wird. In letzterem Zustande hat es eine Dichtigkeit von 0,840; man darf aber diese nicht abwarten, sondern kann annehmen daß es bei der Dichtigkeit von 0,810 erneuert werden muß.

Um zu erproben ob das Petroleum seine Wirksamkeit verloren hat, nimmt man 1/4 Liter Wasser aus dem Reinigungsapparat, gießt in dasselbe einige Tropfen Aetznatronlauge und läßt es kochen. Wenn sich nach Verlauf von einigen Minuten ein Schaum bildet, so zeigt dieß an, daß das Petroleum nicht mehr seine ganze Wirksamkeit besitzt und erneuert werden muß.

Um das verwendete Petroleum wiederzugewinnen, destillirt man es in einer Blase mit den gewöhnlichen Vorsichtsmaßregeln. Die Fettstoffe und ein wenig Petroleum bleiben in der Blase zurück. Man sammelt diesen Rückstand und verkauft ihn an die Seifensieder oder benutzt ihn zur Darstellung neuer Maschinenschmiere. (La Sucrerie indigène.)