Text-Bild-Ansicht Band 206

Bild:
<< vorherige Seite

bis er vollständig versilbert ist, kocht ihn mit einer Lösung von kohlensaurem Kali, wäscht ihn und läßt ihn trocknen.

Bei Knochen, Hörn, Leder, Papier und anderen ähnlichen Substanzen kann man statt dieselben einzutauchen, die Flüssigkeiten mit einem Pinsel auftragen.

Stuck, Steingut etc. müssen vor dem Zusammenbringen mit den silberhaltigen Lösungen mit Stearin behandelt oder gefirnißt oder auch, wenn sie sehr porös sind silicatisirt oder fluosilicatisirt werden.

Gewöhnliches Glas, Krystallglas oder Porzellan reinigt man sorgfältig mit destillirtem Wasser oder Alkohol und behandelt es dann in dem Gemisch der beiden oben erwähnten Lösungen, welches man in eine Schale von Steinzeug oder Gutta-percha gegossen hat. Die Niederschlagung des Silbers beginnt nach einer Viertelstunde und ist nach einigen Stunden beendet. Man wäscht die Gegenstände dann mit destillirtem Wasser, läßt sie trocknen und überzieht sie mit einem schützenden Firniß. Um die Niederschlagung des Silbers zu beschleunigen, kann man die Flüssigkeit oder die Gegenstände etwas erwärmen.

Metalle werden zunächst mit Salpetersäure gereinigt, darauf mit einer Mischung von Cyankalium und Silberpulver gerieben, mit Wasser gewaschen und dann abwechselnd in die oben erwähnten Flüssigkeiten Nr. 1 und 2 getaucht, bis sie hinreichend versilbert sind. Eisen muß vorher in eine Lösung von schwefelsaurem Kupferoxyd getaucht werden. (Technologiste, Mai 1872, S. 193; polytechnisches Centralblatt, 1872 S. 1159.)

Ueber die Reinigung der bronzenen Standbilder.

Bei genauer Untersuchung des Standbildes des großen Kurfürsten in Berlin ergab sich, daß die grüne Patina auf demselben nicht zerstört, sondern nur durch eine schwarze Schmutzschicht bedeckt war. Zur Beseitigung der deckenden Schicht wendete man Seifenlösung und Ammoniak an, jedoch ohne günstiges Resultat. Professor Dr. Weber brachte darauf verdünntes Alkali in Vorschlag, und es ergab sich, daß bei Anwendung dieses Mittels die auf den Statuen haftende Schmutzschicht sich loslöste, und die grüne Patina zum Vorschein kam. Gegen die Ansicht, daß das Alkali den grünen Ueberzug hervorrufe, und diese Behandlung daher der künstlichen Patinirung gleich zu stellen sey, spricht die Thatsache, daß gewisse Theile des Denkmales des großen Kurfürsten, in gleicher Weise behandelt, sich nicht grün gefärbt haben. Das Kali bewies sich als wirksames Mittel selbst an scheinbar völlig schwarzen Statuen, wie an der des Keith. Die nicht durch Kali zu beseitigenden schwarzen Schichten dürften von Schwefelkupfer herrühren, welches bereits früher an der Blücher-Statue nachgewiesen wurde. (Verhandlungen des Vereines zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1872 S. 32)

Ueber Sauerstoffbeleuchtung.

Nach einem Vortrage, welchen Professor E. Mack in Wien im nieder-österreichischen Gewerbeverein über die Fortschritte des Beleuchtungsverfahrens nach Tessié du Mothay gehalten hat, setzt man dort auf dieses Verfahren große Hoffnungen. Der Ingenieur B. Andreae soll bei der Erzeugung des Sauerstoffes einige sehr wesentliche Verbesserungen angebracht haben. Eben so sind die Brenner dahin abgeändert, daß jetzt bei der neuen Schmetterlingsflamme das Leuchtgas in der Mitte, und der Sauerstoff außen ausströmt, während dieß bei dem alten Kerzenflammen- oder Argandischen Brenner umgekehrt war. Auch wird versichert, daß sich die ökonomischen Resultate des Betriebes schon jetzt in der ersten Zeit sehr günstig stellen, doch fehlen die näheren Angaben über die Kosten.

In Paris hat Herr Thomas dem dortigen Vereine von Civilingenieuren über die neue Beleuchtung einen Bericht erstattet, der sich ziemlich gegentheilig ausspricht. Er kommt zu dem Resultat, daß man allerdings im Sauerstoff eine viermal so große Menge verbrennen könne, als in der atmosphärischen Luft, und daß man bei reichen Gasen die volle Leuchtkraft zur Entwickelung bringen könne. Es habe auch