Text-Bild-Ansicht Band 206

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Als Vorzüge dieses Verfahrens sind anzuführen: 1) daß die Umänderung des Blutlaugensalzes bei gewöhnlicher Temperatur erfolgt; 2) daß nur eine Filtration nothwendig ist und kein Niederschlag ausgewaschen werden muß und 3) daß, bis auf eine unbedeutende Menge, alles Ferridcyankalium durch Krystallisation erhalten werden kann. Der letzte Rest läßt sich durch Fällung mit Eisenvitriol verwerthen. (Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, 1872 S. 195.)

 Miscellen.

Eine gelungene Cigarren-Wickelmaschine.

Bekanntlich gehörten zeither Maschinen, welche rentabel mit Erfolg brauchbare Cigarren (aus Tabakblättern) zu wickeln im Stande sind, zu denjenigen Dingen, welche man als fromme Wünsche bezeichnen mußte. In neuester Zeit waren es besonders die Maschinen von Julius de Bary in Offenbach und die von Reiniger in Stuttgart, welche anfänglich zu den Hoffnungen berechtigten, daß die schwierige Aufgabe gelöst sey, nachher aber sich doch mehr oder weniger unbrauchbar zeigten, was namentlich von der de Bary'schen Maschine (wegen zu großer Complication) gilt, während die von Reiniger wenigstens theilweis noch (unter anderen Orten in Leipzig) benutzt wird, indem man sie mindestens noch zur Abtheilung der für die einzelnen Cigarren erforderlichen Tabakmengen benutzt.

Der Wunsch, brauchbare Cigarren mittelst Maschinen, in gehöriger Menge, herstellen zu können, bleibt an sich schon gerecht und ganz natürlich, noch mehr aber zu einer Zeit wo oft genug ein großer Theil der Handarbeiter Forderungen stellt, die nur selten (oder gar nicht) dauernd befriedigt werden können.

Um so erfreulicher ist daher die Thatsache, daß es gegenwärtig Herrn Ingenieur Max Friedrich, Inhaber einer Maschinenfabrik in Plagwitz bei Leipzig, gelungen zu seyn scheint, eine eben so einfache, wie wirklich brauchbare Cigarren-Wickelmaschine nicht nur zu construiren, sondern derselben auch bereits Eingang in den Cigarrenfabriken verschafft zu haben.

Unter anderen sollen 10 Stück Friedrich'scher Maschinen (von der Dampfmaschine getrieben) in der „Sächsischen Tabaksfabrik“ in Frankenberg (im sächsischen Erzgebirge) arbeiten, andere bei Hagedorn u. Müller in Lobenstein, bei F. Schmidt in Altenburg, ferner bei Gebr. Derer in Ohlau (Schlesien) etc.

Referent sah vor Kurzem ein Exemplar der Friedrich'schen Cigarren-Wickelmaschine in Plagwitz arbeiten, wobei die Einfachheit der Construction nicht genug gelobt werden konnte und die von der Maschine gewickelten (mit Umblatt, nicht mit Deckblatt versehenen) Cigarren allen Anforderungen einer gut fabricirten Cigarre entsprechen.

Die Hauptactionen der sehr wenig Raum, etwas über einen Meter Länge einnehmenden Maschine, bestehen in dem Fortschieben (Vorbringen) des Füll-Tabaks, Abschneiden des für eine Cigarre erforderlichen Quantums, Fallenlassen des letzteren und Rollen des Tabaks auf einem endlosen Leder unter Zuführen des Umblattes durch Menschenhand.

Das Wickelmachen erfolgt in so sinniger und doch einfacher Weise, daß die hier angewandten Mechanismen (Excenter, Hebel und Schubstangen) kaum noch besser wo anders als Maschinenorgane auftreten.

Zur Bedienung der Maschine (mit Ausnahme des Motors, eines an der Handkurbel wirkenden kräftigen Jungen oder eines von einer Dampfmaschine hergeleiteten Riemens etc.), reichen drei Mädchen aus. welche pro Tag (10 Arbeitsstunden) bequem