Text-Bild-Ansicht Band 206

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Dauer dieses Phänomens die Leitungen sehr schwierig und oft ganz unwirksam. Anhaltende Ströme von verschiedener Dauer kreuzen die Leitungsdrähte und verzögern die Thätigkeit der Apparate oder hemmen sie gänzlich.

Ströme dieser Art haben sich vom 14. Novbr. um 10 Uhr 30 Min. Abends an gezeigt und mit Unterbrechungen und Veränderungen bis zum 18. Novbr. 9 Uhr 30 Min. Abends fortgedauert. Während dieser Periode hatten die Verbindungen von Paris mit Bordeaux, Toulouse, Lyon, Marseille und Italien am meisten zu leiden; die mit Bordeaux und Italien waren während der Tage des 17. und 18. sogar völlig unterbrochen. In der Richtung von Norden nach Süden hat die Erscheinung die intensivsten Störungen hervorgebracht; die perpendiculäre Richtung von Osten nach Westen ist weit weniger berührt worden.

Entsprechend den bei den früheren Nordlichtern gemachten Beobachtungen hat man auch dießmal constatirt, daß die Strömungen, unter denen die telegraphischen Leitungen zu leiden haben, nicht localer Natur sind, daß sie sich gleichzeitig auf allen Linien einer und derselben Gegend zeigen, daß ihre Richtung veränderlich ist, daß sie jedoch bei allen Drähten die gleiche Himmelsrichtung haben gleich sind und sich in denselben auch in dem gleichen Momente verändern.

Andererseits hat man erkannt, daß die Stärke der Ströme nicht in allen Drähten dieselbe ist; sie hängt von der Läuge und Richtung der Linien ab, und scheint mit der Länge zu wachsen. Welches auch die Ursache der Nordlichter seyn mag, ob sie nun eine Wirkung der Veränderungen in der Stärke der natürlichen Ströme sind, die durch die Atmosphäre und das Innere der Erde gehen, ob sie durch große Explosionen auf der Oberfläche der Sonne hervorgebracht werden, ihre Rückwirkungen auf die elektrischen Linien sind von nun an ganz constatirt. Das methodische Studium dieser Störungen in den Telegraphenbureaus wird der Wissenschaft gewiß werthvolle Nachweise über die Gesetze dieser Naturerscheinungen liefern,

Verfahren zur Darstellung von Ozon.

Dr. Loew ließ sich in den Vereinigten Staaten von Amerika ein Verfahren zur fabrikmäßigen Darstellung des Ozons patentiren, welches auf der von ihm gemachten Beobachtung beruht, daß wenn kalte Luft durch eine Flamme geblasen wird, sie sich zum Theil in Ozon umwandelt. Der Apparat des Erfinders, um diesen Proceß zu benutzen, besteht in einer Anzahl Bunsen'scher Brenner, welche in einer Reihe angebracht sind, und in eben so vielen horizontalen Röhren, die in einer gewissen Entfernung über den Brennern angeordnet sind; durch diese Röhren wird kalte Luft gegen die Flammen geblasen. Den Röhren gegenüber wird eine Anzahl von Trichtern angebracht, um das sich anhäufende Ozon zu sammeln.

Dieses Product ist jedenfalls in gewissem Grade mit Acetylen und salpetriger Säure verunreinigt. Möglicherweise wird nach dem angegebenen Verfahren aber kein Ozon erzeugt, sondern bloß eine Quantität der niederen Oxydationsproducte des Stickstoffes. (Journal of the Franklin Institute, November 1872, S. 302.)

Filzfärberei mit Anilinfarben.

Zum Färben von Filzhüten lassen sich die Anilinfarben in allen Fällen anwenden. Man walkt mit der Lösung der Farbstoffe und bringt dieselben gleich im Anfang der Operation hinzu. Nach und nach kann man noch Farbstoff zufügen, um die Farben satt zu machen. Bringt man die Farbstofflösung erst zu Ende der Operation in die Walke, so wird leicht der Filz nicht durchgefärbt. Man kann auch das Haar direct färben und das gefärbte Haar walken. Zu diesem Zweck macht man sich eine Auflösung der Farbe in kochendem Wasser, läßt dieselbe erkalten und filtrirt. Man bestellt einen Kessel mit 30° C. warmem Wasser und bringt die nöthige Menge der Farbstoff-Lösung hinein, rührt um und geht mit dem genetzten, in einem Korb eingeschlossenen Haar in dieses Bad. Nach und nach erhitzt man das Bad auf 60° C., indem man den Korb fortdauernd bewegt. Das Haar nimmt den Farbstoff aus dem Bade heraus, und man hat nach Bedürfniß an Farbstofflösung nachzusetzen. Zu