Text-Bild-Ansicht Band 206

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diesem Zweck entfernt man den Korb auf einen Augenblick aus dem Bade, gießt Farbstoff-Lösung in letzteres, rührt durch und führt den Korb wieder ein. Der Korb wird nach erfolgter Färbung herausgenommen und das Haar erkalten gelassen. Zeigt es sich dann, dasselbe sey nicht gleichmäßig durchgefärbt, so wendet man es, setzt dem Bade neuen Farbstoff zu, und verfährt noch einmal wie oben. Nach dem Abkühlen wird zuletzt gut gespült. Man kann die Lösungen der Anilinfarben auch sehr gut mit einander mischen, um verschiedene Mischfarben hervorzubringen, welche das Haar sehr hübsch färben. Für Braun empfehlen sich die Abfallproducte vom Fuchsin, welche als Cerise, Marron u.s.w. in den Handel kommen. Diese geben mit Indigcarmin und Pikrinsäure unter Zusatz von ein wenig Schwefelsäure prachtvolle Braunnüancen. Zur Herstellung des beliebten Bismarck kann man eine Auflösung von Manchesterbraun benutzen, welche durch Zusatz von Indigcarmin, Pikrinsäure und Fuchsin in jeder Art zu nüanciren ist. (Reimann's Färberzeitung, 1872, Nr. 42.)

Chloroform als Lösungs- und Trennungsmittel für giftige Pflanzenstoffe bei forensischen Untersuchungen; von J. Nowak.

In dieser Richtung ausgeführte Ausschüttelungsversuche lehrten, daß der alkalisch gemachten Lösung durch Chloroform rasch und vollständig schon in der Kälte entzogen werden: Strychnin, Chinin, Chinidin, Cinchonin, Caffein, Theobromin, Emetin, Atropin, Hyoscyamin, Aconitin, Veratrin, Physostigmin, Narcotin, Codein, Thebain, Nicotin und Coniin. Etwas langsamer wird Brucin, Colchicin und Papaverin, erst in der Wärme Sabadillin und in geringer Menge Narcein aus alkalischer Lösung aufgenommen. Pikrotoxin geht weit leichter aus saurer als aus alkalischer Lösung in das Chloroform über. Morphin und Solanin wandern weder aus saurer noch aus alkalischer Lösung in das Chloroform. Weitere Ausschüttelungsversuche zeigten, daß alle jene Substanzen, welche aus der wässerig-alkalischen Flüssigkeit von Chloroform aufgenommen werden, demselben durch mehrmaliges Schütteln mit saurem Wasser wieder entzogen werden können, während die fremdartigen fetten und sonstigen Beimengungen im Chloroform zurückbleiben. Auf Grundlage dieser Erfahrungen wurde ein systematischer Gang zur Aufsuchung giftiger Pflanzenstoffe aufgestellt, dessen Brauchbarkeit durch praktische Versuche in der Weise erprobt wurde, daß gewogene Mengen verschiedener Gifte mit zweckmäßig gewählten Leichentheilen vermengt und dann aufgesucht wurden. Die hierbei erhaltenen Ergebnisse zeigten, daß in vielen Fällen die ganze Menge des den Leichentheilen zugesetzten Giftes, in den meisten der größte Theil desselben wiedergefunden wurde. Die erhaltenen Resultate befriedigten aber insbesondere des hohen Grades von Reinheit wegen, welchen die aus Choroform wiedergewonnenen Substanzen zeigten, so daß an denselben sofort die Identitätsreactionen vorgenommen werden konnten. (Wiener Akad. Anz., 1872 S. 126.)

Nachweisung von Wasser in ätherischen Oelen; von Georg Leuchs.

Alle durch Wasser aus den Pflanzentheilen destillirten ätherischen Oele enthalten auch dann Wasser, wenn sie vollkommen klares Ansehen zeigen.

Setzt man solchen Oelen ihr mehrfaches Volumen Petroleumäther (sogen. Benzin) zu, so tritt sofort eine Trübung von sich ausscheidenden Wassertröpfchen ein, welche desto stärker ist, je größer der Wassergehalt der ätherischen Oele.

Auf diese Weise wurden die folgenden Oele untersucht und zeigten sich wasserhaltig:

Lavendel-, Nelken-, Spik-, Zimmt-, Rosmarin-, Sassafras-, Wachholderöl, ferner Citronen- und Bergamottöl.

Spuren von Wasser enthielten: Portugalöl (Pomeranzenöl) und das Oel der Gaultheria procumbens; wasserfrei waren dagegen: Terpenthin-, Cedern-, Citronen-, Rauthen- und Bernsteinöl. (Journal für praktische Chemie, 1872, Bd. VI S. 159.)