Text-Bild-Ansicht Band 206

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Die auffallende Erscheinung, daß bei 150° stets chloridhaltiges Product oder wenn lange genug erhitzt wurde stets metallisches Gold erhalten wird, erklärt sich durch die lange fortdauernde Einwirkung des Feuchtigkeitsgehaltes der Atmosphäre. Selbst bei Anwendung von 200° ist der nachtheilige Einfluß feuchter Witterung bemerkbar, ungleich mehr aber bei niedrigerer Temperatur von 160°, bei welcher die Einwirkung der Atmosphäre ungleich länger andauert. Die Feuchtigkeit der Atmosphäre wird vom hygroskopischen Chlorid absorbirt, zersetzt das gebildete Chlorür in metallisches Gold und Chlorid, ersteres wird von Neuem zersetzt, daher die andauernd grünliche Färbung und die fortwährende Chlorentwickelung, daher die schließlich vollständige Goldreduction.

CXXVII. Ueber den Kieserit, seine Eigenschaften und Verwendungen; von Dr. H. Grüneberg.88)

Der Kieserit (MgSO⁴, H²O), bildet bekanntlich einen wesentlichen Theil des Staßfurter Abraumsalzes, welches davon circa 12 Proc. enthält; er zeichnet sich vor dem Bittersalz (MgSO⁴, 7H²O) aus durch seine Schwerlöslichkeit in kaltem Wasser; letztere bietet die Möglichkeit, ihn aus dem Abraumsalz leicht isoliren zu können.

Die ersten Versuche, den Kieserit zu gewinnen, wurden seiner Zeit (1864) vom Verfasser zu dem Zwecke vorgenommen, dieses augenscheinlich werthvolle Material für die Darstellung von schwefelsaurem Kali zu verwenden. Das jetzt allgemein befolgte Verfahren zur Abscheidung des Kieserits ist folgendes: Die nach dem Auskochen des Abraumsalzes – dem bekannten Verfahren, das Kalisalz daraus zu extrahiren – verbleibenden Salzrückstände werden auf trichterförmigen Gefässen mit kaltem Wasser überrieselt; Steinsalz und sonstige lösliche Salze der Rückstände lösen sich auf; sie fliehen mit dem dadurch freigemachten Kieserit-Krystallmehl und den sonstigen unlöslichen Theilen des Abraumsalzes – Anhydrit, Boracitschlamm, Thonschlamm – in die unter den Trichtern befindlichen Schlammcanäle. In diesen Canälen lagern Kieserit und die letztgenannten Stoffe nach ihrer specifischen Schwere ab; der Anhydrit vornehmlich in den der Einströmung zunächst liegenden Theilen derselben, darauf der

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Vom Verfasser aus den Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft mitgetheilt.