Text-Bild-Ansicht Band 213

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des Farbstoffes hält sich übrigens nicht lange; sie absorbirt rasch den Sauerstoff der Luft und der Farbstoff wird zerstört.

Die vorstehenden Beobachtungen erklären die Farbenveränderung der Weine im Alter, worüber man sich bis jetzt keine Rechenschaft geben konnte. Wie bekannt, bedient man sich besonders dreier Materien, um hellen Rothweinen eine dunklere Farbe zu ertheilen oder Zusätze von Wasser zu verdecken, nämlich der Malve, der Phytolacca decundra und der Cochenille. Man erkennt ihre Gegenwart im Weine auf folgende Weise.

Der Farbstoff der Malve wird – entgegen dem des Weines – durch die Einwirkung des Sauerstoffes immer löslicher in Wasser.

Auf den Farbstoff der Cochenille prüft man am besten vermittels des Spektroskops. Seine Absorptions-Linien sind wesentlich verschieden von denjenigen des Weinfarbstoffes.

Der Farbstoff der Phytolacca wird durch nascirenden Wasserstoff augenblicklich entfärbt, der reine Wein dagegen nur sehr langsam. Enthält jedoch der Wein von jenem Farbstoffe, so zieht der letztere den des Weines mit in die rasche Zerstörung hinein, dergestalt daß bei 1/5 Phytolacca-Farbstoff der Wein zehnmal rascher, als wenn er rein ist, entfärbt wird. (Comptes rendus, 1874 t. LXXVIII p. 1195.)

W.

Bestimmung des Chinins in Chinarinde; von Perret.

Diese Bestimmung beruht darauf, daß kieselsaures Natron (Wasserglas) die Alkaloide auszieht, ohne sie zu verändern. Man erhitzt 10 Grm. Rinde in Pulverform mit 50 Grm. 90grädigem Alkohol, dem man 5 Grm. stark alkalischen kieselsauren Natrons (40° B.) zugesetzt hat, filtrirt nach 10 Minuten und wiederholt dieselbe Operation noch zweimal, zuerst mit 30 Grm. Alkohol und 2,5 Grm. Wasserglas und endlich mit 20 Grm. Alkohol. Die vereinigten Filtrate werden bis zur Consistenz des Honigs eingedampft und der Rückstand zuerst mit 30 Grm., darauf mit 20 Grm. und endlich mit 10 Grm. Aether behandelt, die ätherische Lösung abgedampft und der Rückstand mit verdünnter Schwefelsäure angesäuert. Das gebildete Chininsulfat kann als solches, oder durch Ammoniumoxalat als oxalsaures Salz niedergeschlagen und gewogen werden. Das Chininsalz enthält nur Spuren Chinidin und Cinchonin. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1874 S. 735.)

Das künstliche Alizarin.

In der letzten Sitzung der „Niederrheinischen Gesellschaft für Natur und Heilkunde“ sprach Professor Kekulé über das künstliche Alizarin, dessen Entdeckung auch weiteren Kreisen von Interesse sein dürfte, weil es in schlagendster Weise den Beweis führt, daß die Lösung eines rein wissenschaftlichen Problems im Verlaus weniger Jahre einen neuen und großartigen Industriezweig hervorrufen kann. Der Vortragende gab zunächst eine kurze Geschichte des Krapps, der schon seit den ältesten Zeiten seines Gehaltes an Alizarin wegen zum Färben und namentlich zum Rothfärben verwendet worden ist; er erwähnte, daß den zuverlässigsten Nachrichten zufolge, die jährliche Production einen Werth von 15 bis 20 Millionen Thaler repräsentirt und daß etwa 3 bis 400000 Morgen Land durch Bau von Krapp in Anspruch genommen werden. Der rothe Farbstoff des Krapps – das Alizarin – ist von der Chemie vielfach untersucht worden, aber erst 1866 stellte Strecker die chemische Formel des Alizarins = C₁₄H₆(OH)₂O₂ fest und sprach die Vermuthung aus, es stehe zu einem im Steinkohlentheer in geringer Menge enthaltenen festen Kohlenwasserstoff, dem Anthracen, in näherer Beziehung. Gelegentlich seiner schönen Untersuchungen über das Chloranil und die Chinone wurde dann Gräbe zu der Ansicht geführt, das Alizarin sei ein dem Chinon ähnlicher Körper; es gelang ihm, das Alizarin durch Erhitzen mit Zinkstaub in Anthracen umzuwandeln und die von Strecker schon ausgesprochene Vermuthung