Text-Bild-Ansicht Band 215

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Alaunirung des Gypses. Wenn man den einmal gebrannten Gyps in 12procentigem Alaunwasser abgelöscht hat, so erhält man, wie schon gesagt, ein Product, welches langsam Wasser anzieht und erhärtet.

Entsteht durch die Einwirkung des Alaunes Gyps, so muß dasselbe auch der Fall sein, wenn man statt des Alaunes schwefelsaure Thonerde, schwefelsaures Kali oder irgend eine andere schwefelsaure Verbindung anwendet. Meine ersten darüber angestellten Versuche waren nicht glücklich, denn die Anwesenheit eines Ueberschusses von löslichem Sulfat verhinderte die Wasseraufnahme des Gypses vollständig; als ich aber nicht mehr anwendete als nöthig war, um den kohlensauren Kalk zu sättigen, erhielt ich sehr befriedigende Resultate, denn der Gyps zog nun langsam an und wurde sehr hart. Ermuthigt durch diesen ersten Erfolg, kam mir der Gedanke, die Schwefelsäure allein könne vielleicht dieselbe Rolle spielen. Zu dem Zwecke brachte ich gebrannten Gyps einige Minuten in ein Gemisch von Wasser und Schwefelsäure, ließ ihn abtropfen und unterwarf ihn alsdann einer 2- bis 3stündigen dunklen Rothglut. Jedesmal wenn die Schwefelsäure zur Sättigung des kohlensauren Kalkes ausreichte oder im geringen Ueberschusse vorhanden war, fiel der Versuch sehr befriedigend aus. Die so vorbereiteten Gypse zogen sehr langsam, in 10 bis 12 Stunden, an, und wurden sehr hart; kurz sie besaßen alle Eigenschaften der schönsten Stucke.

Nun suchte ich die beiden Operationen durch ein einziges Brennen zu ersetzen, indem ich den rohen Gyps in 8 bis 10 Proc. Schwefelsäure enthaltendem Wasser 1/4 Stunde lang eintauchte und dann calcinirte. Dies gelang vollständig; nicht nur sielen die Stucke sehr gut aus, sondern sie zeigten auch, statt der sonstigen graulichen, eine ganz weiße Farbe – letzteres als Folge der zerstörenden Einwirkung des kleinen Ueberschusses an Schwefelsäure auf die stets in geringer Menge im Gypse vorhandene organische Substanz.

W.

Ueber ein neues alkalisches Solidblau; nach Jeanmaire.

Sei es Verdruß über die Unechtheit der Anilinfarben, sei es, daß der Geschmack des Publicums in Folge von Uebersättigung gegen allzu lebhafte Farben, wie Anilinblau oder Ultramarin, abgestumpft worden ist – Thatsache ist, daß er sich in den letzten Jahren allmälig den zuverlässig echten, wenn auch minder feurigen Indigotönen wieder genähert hat. Man konnte diese Wandlung schon auf der Wiener Ausstellung