Text-Bild-Ansicht Band 215

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diesem neuen Glas, die jedoch nur 3 Millim. dick war. Diese hielt den Fall desselben Gewichtes noch bei 5,5 M. Fallhöhe aus und zerbrach erst bei 5,75 M. Fallhöhe. Es ergab sich, daß die Glasscheibe nicht wie die vorige in größere oder kleinere Stücke zerbrach, sondern in ganz kleine Krystalle sich zertheilte, was von einer eigenthümlichen Veränderung der molecularen Zusammensetzung zeugt. Auf den Boden geworfen, sprang eine Scheibe wieder zurück und gab einen metallähnlichen Klang von sich. Die Probe auf die Widerstandsfähigkeit des gehärteten Glases gegen den Einfluß der Hitze veranlaßte eine weitere Reihe von Versuchen. Ein gewöhnlicher Glasstreifen wurde der Flamme einer Lampe ausgesetzt; nach 24 Secunden zersprang derselbe, während ein ähnlicher Streifen des gehärteten Glases auch nach langer Zeit und fast bis zur Rothglut der Flamme Widerstand leistete; auch als man den so erhitzten Streifen in kaltes Wasser tauchte und denselben naß wieder auf die Flamme brachte, blieb er unversehrt.

Aus beiden Versuchen ist ersichtlich, daß das gehärtete Glas (verre trempé) äußeren Einwirkungen gut widersteht und daß die Hitze keinen zerstörenden Einfluß auf dasselbe ausübt. Lampencylinder würden z.B. jede Probe bestehen, und auch für Küchen- und Haushaltungsgeschirre würde dasselbe vortheilhafte Anwendung finden können.

Die deutsche Industriezeitung gibt einen Auszug aus dem Patent, welches de la Bastie am 12. August 1874 (Nr. 2783) auf das Tempern – vielleicht richtiger mit „Anlassen“ als mit „Härten“ zu übersetzen – von Glas in England erhielt. Danach besteht die Erfindung darin, daß das Glas, während es etwa bis zum Erweichen erwärmt ist, in ein flüssiges Bad von geringerer Temperatur eingetaucht wird, und zwar in hermetisch eingeschlossene Bäder von Oel, Fett, Wachs, harzigen oder bituminösen Stoffen, die bei einer bedeutend unter der Siedehitze des Wassers liegenden Temperatur schmelzen. Der Ofen zum Erhitzen des Glases und das Temperbad stehen mit einander in Verbindung, so daß das Eintauchen mit möglichst wenig Arbeit erfolgen kann. Zu diesem Zwecke hat Bastie besondere Einrichtungen der Oefen und Muffeln etc. construirt.

Pilati (Glashütte, 1875 S. 10) hat gehärtetes blaues Glas untersucht. Das spec. Gew. ist 2,522, die Härte 5, also etwas geringer als bei gewöhnlichem Glas.

Dasselbe enthielt:

68 Kieselsäure

10 Kalk

2 Thonerde r.

17 Alkalien

3 Verlust nebst Spuren von Magnesium-, Eisen-, Chlor- und Kobalt-Verbindungen.

Thermometer von Hartgummi.

F. Kohlrausch machte bekanntlich die Beobachtung, daß Hartgummi mit einem Elfenbeinstreifen verbunden ein sehr empfindliches Thermometer gibt (vergl. 1873 210 444). Ein auf dem gleichen Princip beruhendes Thermometer ist nun nach dem Scientific American, 1874 S. 372 seit Langem in dem meteorologischen Observatorium im Centralpark in New-York in Anwendung. Dieses von D. Draper angegebene Thermometer besteht aus einem auf einen Messingstreifen aufgenieteten Streifen von Hartgummi und soll sich als selbstregistrirendes Instrument sehr gut bewähren.

r.

Ueber das Vanillin der Nadelholzwälder; von Dr. Th. Hartig.

Bereits vor mehr als zehn Jahren fand ich in den Cambialsäften der Nadelhölzer, außer dem sphenoedrischen Cambialzucker und der phosphorsauren Magnesia, einen krystallinisch darstellbaren, dem Salicin ähnlichen Körper, den ich zuerst Laricin, später Coniferin nannte.

Die Darstellung desselben geschieht in folgender Weise: Fichten, Tannen, Lärchen, Kiefern, Weymouths-Kiefern, von Mitte Mai bis Mitte Juli gefällt, werden nach und