Text-Bild-Ansicht Band 215

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verdünnten Bariumnitratlösung, welche nach den von Clark (1842 83 193) angegebenen Verdünnungsverhältnissen auf eine Normalseife eingestellt ist, läßt sich eine beliebige Seifenlösung titriren, indem die Menge von Bariumnitratlösung, die bis zum Verschwinden des Seifenschaumes gebraucht wird, mit einiger Uebung sich genügend scharf bestimmen läßt. Anstatt Bariumsalz verwendet man für die Seifentitration noch besser 1/10 Normalbleinitrat; mit Jodkaliumpapier ist sehr genau der Punkt zu erkennen, wo alle Seife als unlösliches Beipflaster ausgeschieden und eben überschüssiges Blei in der Lösung vorhanden ist.

Zur Essiguntersuchung.

Der im Handel vorkommende Essig ist zuweilen auch blei- und zinnhaltig. Prof. Vogel empfiehlt für die Prüfung des letzteren eine verdünnte Lösung von salpetersaurem Silber; selbst die geringsten Spuren von Zinn werden durch eine hellbraune Färbung erkannt. (Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, 1875 S. 22.)

Staub im Schnee.

Tissandier (Comptes rendus, 1875 t. 80 p. 58) hat im December v. J. gefallenen Schnee untersucht. Der erste am 16. December gefallene Schnee von einem Hofe in Paris gab nach dem Verdunsten bei 100° von 1 Liter Schneewasser 0,212 Grm. festen Rückstand, von den Thürmen der Notre-Dame-Kirche 0,118 und vom Lande 0,100 Grm. Schnee vom 21. December gab an den drei Orten 0,108, 0,056 und 0,048 Grm. Am 25. December enthielt derselbe in Paris 0,016 und auf dem Lande noch 0,024 Grm. Rückstand im Liter Schneewasser. Der Rückstand gab in Paris 57, auf dem Lande 61 Proc. Asche, welche kohlensaures Calcium, Thonerde, Eisen, salpetersaures Ammonium, Chlorüre und Sulfate enthielt.

Ueber die Reife der Trauben, die Edelfäule, den Most und seine Bestandtheile, die Vorbedingungen der Gährung; von Prof. Neubauer.

Nachdem der Verfasser (in einem von der deutschen Weinzeitung mitgetheilten Vortrag im Verein der pfälzischen Weinproducenten) daran erinnert, daß die Blätter dieselben Stoffe enthalten, welche sich später in der reifen Traube wieder finden – so in einem Kilogrm. Blätter 8 bis 10 Grm. Zucker – führt er die Mengen von Säuren an, welche man schon durch den Geschmack grüner Blätter entdeckt; namentlich ist es die Aepfelsäure, welche vorherrscht, die aber bei zunehmender Reife der Weinsteinsäure Platz macht. So enthält die unreife Traube meist Aepfelsäure, die in der reifen Traube nur in einem verschwindenden Minimum gefunden wird. Deshalb weisen schlechte Jahrgänge mehr Aepfelsäure, gute Jahrgänge dagegen mehr Weinsteinsäure auf. Man kennt verschiedene Mittel, welche die Aepfelsäure im Wein abstumpfen sollen, namentlich den von Chaptal angegebenen „Antiacit“ d. i. Aetzkalk, der in feinen Packetchen für 24 kr. verkauft wird, aber nur einen reelen Werth von 1 höchstens 2 kr. hat. Antiacit stumpft allerdings die Weinsteinsäure ab und schlägt sich als feines Pulver nieder; aber in der Aepfelsäure bleibt er gelöst und der Wein bleibt trübe. Andere empfehlen Magnesia, aber auch diese bleibt in der Aepfelsäure, also in sehr saurem Wein gelöst, und erreichen alle diese Mittel den Zweck nicht, zu dem sie angewendet werden. – In der reifenden Traube wächst der Zucker gleichsam und die Säure nimmt ab, so vom Juli von 1/2 Proc. Zucker und 2,7 Proc. Säure bis zum October mit 18 Proc. Zucker und 0,6 Proc. Säure. Die unreife Traube enthält freie Säure, und diese wird gesättigt durch die Kalisalze, welche während des Reifens zunehmen. In 1000 Beeren vermehrte sich der Zucker vom Ende Juli bis October von 4 bis 270 Grm., die Säure verminderte sich von 30 bis 13 Grm., und der Kaligehalt steigerte sich von 1,8 bis 7,6 Grm. Die Traube ist ein Organismus, der wie jeder andere nach Erreichung der höchsten Entwickelung zurückgeht und