Text-Bild-Ansicht Band 215

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verwendeten antiken Kohlen- oder Tuschtinte sind freilich die im Alterthum und Mittelalter gebrauchten Schreibpigmente bisher unerforscht. Namentlich ist der dunkel- bis hellbraune, ausnahmslos auf Pergament gebrauchte Farbstoff bis jetzt völlig räthselhaft. Gestützt auf sorgfältige Untersuchungen wies der Verf. durch eine Reihe historischer, chemischer, mikroskopischer etc. Momente die Identität desselben mit dem Oenocyanin bez. Rosit und Purpurit nach. Dieser Farbstoff wurde mittels Coction meist aus Hefe dargestellt. Er war dem Alterthum schon lange vor seiner Verwendung zur Schrift zunächst als Malerfarbe bekannt. Während die herrschende Meinung den Stoff a priori als eisenhaltig betrachtet und danach behandelt, ist er an sich eisenfrei. Thatsächlich kommt allerdings vielfach ein Eisengehalt vor; aber er ist der Existenz und dem Quantum nach durchaus zufällig, übrigens leicht erklärlich, und fehlt häufig genug ganz. Dieses „Rebenbraun“ tritt seit dem III. Jahrhundert nach Chr. zunächst in Griechenland als ἒγχαυστον: das „Eingebrannte“ „Gekochte“ auf (woher incaustuni, inchrostro, encre und ink), herrscht, nahezu alle erhaltenen Handschriften antiker Werke umfassend, bis zu seiner Ablösung durch das moderne Gallat (Gallustinte) im XIV. Jahrhundert, welch letzteres ohne Zweifel eine arabische Erfindung ist.

Die gebräuchlichen Reagentien sind sämmtlich theils absolut, theils relativ tadelhaft; voraus die bis vor kurzem höchst angesehene, jetzt noch vielfach beliebte „Gioberti-Tinctur“ (d.h. Blutlaugensalz mit Salzsäure), welche in Bälde Schrift und Pergament in blauen Staub verwandelt; nicht minder aber auch die gerühmten, angeblich ganz unschädlichen Schwefelmetalle, durch welche die Schrift verwaschen und häufig nach einiger Zeit ganz unerkennbar wird. Empfohlen wurde dagegen gelbes sowie rothes Blutlaugensalz mit Essigsäure, deren Product sich sammt dem Pergament bestens erhält. Successive Auftragung dieser Lösung kann z.B. selbst bei sonst verzweifelten Palimpsestfällen von Nutzen sein. Dagegen wirkt Rhodankalium, theoretisch anscheinend das beste Mittel, mit Essigsäure merkwürdiger Weise vehement contrahirend auf die Membran und ist aus diesem Grunde wenigstens in genannter Mischung unzulässig. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1874 S. 1743.)

Regeneration der Manganrückstände in der Chlorfabrikation; von F. Kuhlmann.

Die rohe Manganchloridlösung wird mit Kreide vermengt, um Eisen als Carbonat fortzuschaffen, und sodann mit Kalkmilch, um das Manganchlorid in Oxyd überzuführen. Dieses Oxyd wird, nach sorgfältigem Waschen, in Salpetersäure gelöst, die Lösung eingedampft und der trockene Rückstand in Retorten auf eine Temperatur erhitzt, bei welcher der Stickstoff als Untersalpetersäure und als Stickstoffoxyd (dieses natürlich in Berührung mit atmosphärischer Luft in Untersalpetersäure übergehend) entweicht, bei welcher aber das entstehende Manganhyperoxyd nicht zerstört wird. Die Untersalpetersäuredämpfe läßt man durch Manganoxydhydrat (erhalten in vorerwähnter Weise) absorbiren, calcinirt das gebildete Salz u.s.f. Auf diese Art kann der Regenerirungsproceß, selbstverständlich mit einem sehr kleinen Verluste von Untersalpetersäure, für irgend eine Zeitdauer fortgeführt werden. Beimengung von Kalk im Manganoxyd verursacht größeren Verlust von Untersalpetersäure; dies zu vermeiden, nehme man zur Oxydation des Manganchlorids eben nur die äquivalente Menge von Kalk.

Kuhlmann behauptet, daß er mittels dieses Verfahrens 88 Proc. regenerirtes Manganhyperoxyd erhalte, während Weldon's ungleich schönerer – weil einfacherer Proceß nur etwa 70 Proc. liefere.

Ein anderer Vorschlag des Patentinhabers geht dahin, das Manganoxydhydrat auf grobe Kotzen oder Matten auszubreiten, die auf lose gehäuften Schlackenstücken liegen und nach dem Abfiltriren der Flüssigkeit calcinirt werden. Das Product dient dann als Manganmaterial im Bessemerproceß. (Vergl. Jezler's Verfahren, S. 446.)

Der Berichterstatter bemerkt hierzu: Es ist wohl kaum nothwendig anzudeuten, daß der Vorschlag die Vortheilhaftigkeit des ersteren in sehr zweifelhaftem Lichte erscheinen läßt. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1875 S. 167.)