Text-Bild-Ansicht Band 217

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und nehmen dabei so viel Tinte mit, als nöthig ist, um einen Punkt auf den Papierstreifen zu machen. Die erwähnten Löcher sind aber so fein, daß bei nicht angezogenem Anker die Tinte in Folge der Capillaranziehung nicht austreten kann. Das Gefäß ist durch eine Scheidewand in zwei Abtheilungen getheilt, von denen die eine mit rother, die andere mit schwarzer Tinte gefüllt ist.

Der eine Elektromagnet ist mit einer halbe Secunden schlagenden Uhr verbunden, und so oft das Pendel über ein genau unter seinem Aufhängepunkte aufgestelltes Quecksilbernäpfchen hinweggeht, wird der Kreis einer elektrischen Batterie geschlossen, und die halben Secunden werden auf dem Papierstreifen durch rothe Punkte markirt. Der andere Elektromagnet wird mit den in geeigneten Abständen von einander entlang der Bahn angebrachten Contacten in Verbindung gesetzt, mittels deren die zur Ermittelung der Geschwindigkeit dienenden schwarzen Punkte auf dem Streifen gemacht werden. Wenn man daher die Anzahl der rothen Marken halber Secunden zwischen zwei schwarzen Punkten zählt, so kann man die Geschwindigkeit angeben, welche zwischen den beiden zugehörigen Contacten stattgefunden hat. Ebenso leicht läßt sich aber auch die Zu- und Abnahme der Geschwindigkeit aus den aufgezeichneten Punkten entnehmen. (Nach Engineering, August 1875 S. 115.)

E–e.

Die Telegraphie als Unterrichtsgegenstand an polytechnischen Schulen.

Die unter dieser Ueberschrift in diesem Journal (1875 217 156) enthaltene kurze Notiz hat Anlaß gegeben, daß wir darauf hingewiesen worden sind, Aachen sei nicht die erste polytechnische Schule gewesen, welche die Telegraphie als „besonderen ordentlichen Unterrichtsgegenstand“ eingeführt habe. Und in der That ist dieser Hinweis durch den Wortlaut jener Notiz formell gerechtfertigt. Indessen beabsichtigten wir gar nicht der Einführung der Telegraphie als „ordentlichen“ oder „außerordentlichen“ Unterrichtsgegenstand das Wort zu reden, sondern einer planmäßigen und gründlichen theoretischen Vorbildung der Telegraphen-Ingenieure. Den äußeren Anstoß dazu bot jene günstige Aeußerung des telegraphischen Fachblattes The Electrical News über die Einrichtung in Aachen. Allein weder das, was Aachen bietet, noch das was u.a. in Hannover seit dem Herbst 1869 geboten wird, ist nach unserer Ansicht ausreichend, sondern die Einrichtung eines vollständigen Telegraphen-Curses erforderlich, ganz gleichgeordnet den übrigen Zweigen des Ingenieurwesens. In dieser Meinung aber werden wir durch den Umstand nur noch bestärkt, daß auf der jüngsten Telegraphen-Conferenz in St. Petersburg auch die Gründung einer internationalen Telegraphenschule zur Sprache gebracht worden ist.

J. Z-n.

Eine neue Quelle des Magnetismus.

Eine neue Quelle des Magnetismus hat Donato Tommasi in einer kürzlich (am 29. April 1875) der Akademie der Wissenschaften in Frankreich vorgelegten Abhandlung beschrieben. Wenn ein Dampfstrahl von 5 bis 6at durch ein schraubenförmig um einen Eisencylinder gewundenes Kupferrohr von 2 bis 3mm Durchmesser strömt, so wird der Eisenstab stark magnetisch und eine einige Centimeter von dem „Dampfmagnete“ befindliche eiserne Nadel wird lebhaft angezogen und magnetisirt.

Mit dem Absperren des Dampfstromes hört selbstverständlich die magnetisirende Eigenschaft des Rohres auf.

In der Sitzung vom 3. Mai der Akademie sprach sich Maumené dahin aus, daß diese wichtige Erscheinung wohl anders erklärt werden müsse, als es Tommasi thue. Die Wärme wirke hier nicht in der Weise, daß man von einer „neuen Magnetismusquelle“ reden könne; sie erzeuge nur Elektricität, einen thermo-elektrischen Strom, welcher den beobachteten Magnetismus hervorrufe. Der Strom werde erzeugt durch den Temperaturunterschied zwischen der inneren Oberfläche der vom Dampf durchströmten kupfernen Spirale und deren der Luft ausgesetzten äußeren Oberfläche. Tommasi müsse den Strom und folglich die Magnetpole umkehren, wenn er die äußere Oberfläche des Rohres erhitze und die innere abkühle. Dazu sei blos nöthig, die Spirale in eine metallene, von Dampf durchströmte Büchse einzuschließen, durch die Spirale selbst aber einen Wasserstrom gehen zu lassen. Die Wärme mache den Magnetismus