Text-Bild-Ansicht Band 217

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Mengen zugesetzt, die Farbstofflösung intensiv schwarz, ohne Niederschlag zu erzeugen; in größeren Mengen bewirkt es sogleich die Bildung eines tief schwarzen Niederschlages.

Blauholzspäne und Blauholzextract sind vielfachen Verfälschungen unterworfen; es empfiehlt sich daher das Holz nur in Blöcken zu kaufen und diese zerkleinern zu lassen. Bei der Anwendung des Extractes ist Rücksicht zu nehmen auf Feuchtigkeit, Verfälschung mit unlöslichen Stoffen, Kastanienextract u. dgl. (vergl. 1869 191 242). Man kann unterscheiden: 1. Chromblauholztinten, 2. Alaunblauholztinten, 3. Eisenblauholztinten, 4. Kupferblauholztinten; hierbei ist jedoch zu bemerken, daß die drei letzten häufig in einander übergehen und sich nicht scharf charakterisiren lassen.

Chromblauholztinten (Chromtinten). Bekanntlich entdeckte Runge (1848 109 225. 1850 115 77), daß ein ziemlich verdünnter Blauholzabsud, resp. eine entsprechend starke Lösung des Blauholzextractes, mit einer sehr geringen Menge von einfach chromsaurem Kali versetzt, eine tief schwarz gefärbte Flüssigkeit gibt, welche klar bleibt, keinen Satz bildet und ohne weiteres als Schreibtinte zu verwenden ist. Völlig neutral reagirend, greift sie deshalb die Stahlfedern nicht an, ist sehr billig, zieht sich so tief ins Papier, daß sie selbst durch Waschen mit einem Schwamm nicht verwischt wird; kurz sie hat alle Eigenschaften einer vorzüglichen Schreibtinte. Dagegen zersetzt sich die Tinte an der Luft zuweilen sehr rasch, indem sich der Farbstoff in großen schwarzen Flocken ausscheidet, welche in einer wasserhellen Flüssigkeit schwimmen. Dieses „Gelatiniren“ ist, weil man die Bedingungen, unter welchen es eintritt, nicht kennt, ein sehr großer Fehler der Tinte. Von verschiedenen Seiten sind Präservativmittel dagegen vorgeschlagen. So wendet Stein Aetzsublimat dagegen an, nach unseren Erfahrungen erfolglos. Am besten dürfte der schon von Böttger empfohlene Zusatz von Soda sein; wenigstens benützt Verfasser solche Chromtinte schon seit zwei Jahren, ohne daß ein Gelatiniren eingetreten wäre, allerdings in einem Trichtertintenglase aufbewahrt; der möglichst völlige Luftabschluß scheint das beste Mittel zu sein.

Zur Bereitung dieser Tinte nehme man 15 Th. Blauholzextract, löse in 900 Th. Wasser, lasse absitzen, decantire, erhitze zum Kochen, löse in der Flüssigkeit 4 Th. krystallisirte Soda, und versetze dann tropfenweis unter Umrühren mit einer Lösung von 1 Th. chromsaurem Kali in 100 Th. Wasser. Die Tinte hat eine schön blauschwarze Farbe, fließt gut aus der Feder und trocknet sehr leicht. Platzer's Chromtintenpulver und Poncelet's Tinte ohne Säure sind werthlose Nachahmungen der Runge'schen Originaltinte. Stark's Copirtinte, sowie Böttger's „ausgezeichnete Copirtinte“ werden wir weiter unten besprechen. Eine „blauschwarze Tinte“, erhalten aus Blauholzabkochung mit Zusatz von Chromalaun ist nicht empfehlenswerth; die Schrift ist ziemlich grau und wenig intensiv.

Blauholzabkochungen, nur mit Alaun (außer Gummi und Glycerin für Copirtinten) versetzt, geben eine röthliche oder violette Tinte, die nur langsam nachdunkelt und nie tief schwarz wird; namentlich ist dies bei den aus Blauholz, nicht aus Extract, bereiteten der Fall. Außerdem wird sie dadurch theuer, daß man zur Erzielung einer hinreichend satten Farbe sehr concentrirte Blauholzabkochungen, bezieh. Blauholzextractlösungen, verwenden muß. Anders gestaltet sich dies, wenn man der Farbholzabkochung außer Alaun noch ein Metallsalz zusetzt. Wie bereits erwähnt, färbt Alaun die Blauholzabkochung (wie die Blauholzextractlösung) purpurroth, während die Metallsalze in der oxydirten Farbstofflösung blauschwarze oder schwarze Niederschläge hervorbringen. Es sind diese Blauholztinten in gewisser Beziehung den Alizarintinten