Text-Bild-Ansicht Band 217

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Elektrische Abstimmungstelegraphen.

Nach den Annales télégraphiques, Bd. 2 S. 54 u. 194.

Mit Abbildungen auf Taf. II [b/1].

Bei der zwar einfachen, aber urweltlichen Abstimmungsweise hat jedes Mitglied der Versammlung zweierlei Abstimmzettel, auf welche außer seinem Namen die Worte „dafür“ oder „dawider“ gedruckt sind; diese Zettel werden bei der Abstimmung in Urnen gelegt und dann ausgezählt, was oft mehrere Stunden beansprucht und trotzdem keineswegs ganz zuverlässig ist, wie die häufigen Berichtigungen in den Sitzungsprotokollen darthun. Man hat sich daher bemüht, durch eine automatische Abstimmung an Zeit zu gewinnen und größere Zuverlässigkeit zu erreichen, zugleich aber auch die mit manchen Uebelständen behafteten Abstimmungen durch Aufstehen und Sitzenbleiben zu beseitigen.

Der Telegrapheninspector Saigey schlug 1860 dem Senate eine elektrische Abstimmung vor, doch hat er über seinen Plan Nichts veröffentlicht1).

Darauf schlugen der Telegraphendirector Clérac und der Civilingenieur Guichenot im Januar 1870 die nachfolgend beschriebenen Abstimmungstelegraphen vor, welche 1) der ganzen Versammlung gestatten sollen, der Abstimmung mit den Augen zu folgen und das Ergebniß derselben noch vor dessen Verkündigung zu bemerken, welche 2) die Stimmen sammeln und 3) aufzeichnen sollen, und welche endlich 4) jedem Abgeordneten die Möglichkeit bieten sollen, von seinem Platze aus sich zu vergewissern, ob seine Stimme gezählt und aufgezeichnet wurde. Dies wird theils auf elektromagnetischem, theils auf elektrochemischem Wege ermöglicht. Zu jeder Seite der Rednerbühne befinden sich zwei große Rahmen, welche in soviel von einander ganz unabhängige Fächer eingetheilt sind, als die Versammlung Mitglieder zählt; der eine Rahmen ist für die bejahenden, der andere für die verneinenden Stimmen; jeder Abgeordnete besitzt also zwei Fächer, das eine im Rahmen der „Ja“, das andere im Rahmen der „Nein“; auf seinem Tische aber hat er zwei

1)

In Deutschland empfahlen Siemens und Halske in Berlin (schon im J. 1859) die Anwendung elektrischer Abstimmungstelegraphen im preußischen Abgeordnetenhause. Im vorigen Jahre aber wurde mit dieser Firma längere Zeit über die Einrichtung solcher Telegraphen im Sitzungssaale dieses Hauses verhandelt, und zwar sollten dieselben mit Magnetinductoren betrieben werden; eine kurze Schilderung ihrer Handhabung brachte die Gartenlaube (Jahrg. 1874 S. 266). – In Nordamerika tauchte nach eben dieser Quelle 1869 ein Vorschlag zu einem Abstimmungstelegraphen auf.

D. Ref.