Text-Bild-Ansicht Band 217

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mit der Schwierigkeit zu kämpfen, daß dieselben, sobald sie eine entsprechend harte Kruste erhalten, beim Guß leicht Längsrisse bekommen, wodurch sie unbrauchbar werden. Diese Längsrisse entstehen dadurch, daß die rasch erstarrte und durch den Einfluß der Coquille abgekühlte und dadurch abgeschreckte Kruste der Walze durch das im Kern der Walze noch warme, oft noch flüssige Roheisen ausgedehnt und dadurch zerrissen wird. Manchmal findet man diese Sprünge durch Roheisen wieder ausgefüllt. Dieses Zerreißen könnte nicht stattfinden, wenn die Coquille nach dem Guß den gleichen Durchmesser mit der erstarrenden Walze behielte.

Um dies möglichst zu erreichen und zu gleicher Zeit an Kosten für Herstellung der Coquillen zu sparen, wendet Turk etwa 2cm dicke Coquillen an, welche von außen in einer Entfernung von etwa 8 bis 10cm mit einem Blechmantel umgeben sind, so daß sie durch einen starken Wasserstrahl, welcher das Kühlwasser fortwährend erneuert, energisch gekühlt werden können. Der Zu- und Abfluß des Kühlwassers ist regulirbar, so daß die Kühlung nach Bedürfniß geregelt werden kann.

Die Coquille wird wie gewöhnlich angewärmt, die Form zusammengesetzt und auf die gewöhnliche Weise gegossen. Gleichzeitig wird aber auch außerhalb der Coquille Kühlwasser eingeleitet, welches so rasch erneuert wird, daß die Temperaturzunahme desselben kaum einige Grade beträgt. Sobald die Walze so weit erkaltet, daß ein Springen nicht mehr zu fürchten ist, wird das Kühlwasser abgelassen, die Coquille, welche bis nun dicht an die Walze anschloß, dehnt sich durch Erwärmung aus und kann nun leicht abgehoben werden. – Die Vortheile dieses patentirten Verfahrens sind nach den bisherigen Erfahrungen folgende.

Die Anschaffungskosten der Coquillen betragen kaum 1/3 der gewöhnlich in Anwendung stehenden; die Coquillen sind ungleich leichter und daher viel bequemer im Gebrauch. Die Dauerhaftigkeit dieser Coquillen scheint wenigstens ebenso groß als die der massiven Coquillen zu sein. Die Dicke der harten Schale an der Walze kann besser als bisher und in beliebiger Stärke erzeugt werden. (Turk liefert auf Bestellung Walzen mit einer 2 bis 5cm starken weißen und harten Schale.) Endlich ist der Procentsatz der verunglückten Güsse gegenüber den gelungenen sehr klein.

Als Nachtheil dieser Methode könnte höchstens der während des Gusses einer größeren Walze ziemlich bedeutende Verbrauch an Kühlwasser angeführt werden, weil dasselbe nicht überall in genügender Menge zur Disposition stehen dürfte.

Turk erzeugt schon seit längerer Zeit nach dieser Methode Walzen, deren Qualität von den Walzhütten sehr gelobt wird. (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1875 S. 174.)

Elektromagnete mit röhrenförmigem Kerne.

Der Amerikaner Camacho ersetzt in den Hufeisen-Elektromagneten die massiven Eisenkerne durch stielförmig mit einander verbundene Eisenröhren. Er mußte so, ähnlich wie Jamin bei seinen Blätter-Magneten, die Wirkung der mittleren Theile verstärken und kräftigere Magnete erhalten. Bei dem Probe-Elektromagnete enthielt jeder Schenkel 4 concentrische Röhren; die 3 inneren hatten nur 2 Lagen Kupferdraht, die äußerste dagegen 7. Der Draht hatte 600m Gesammtlänge, war 1mm,8 dick und wog 13k,500. Durch den Strom von 10 Bunsen'schen Elementen von 0m,25 Länge zog dieser Elektromagnet 713k aus 1mm,5 Entfernung an; seine Tragkraft soll 3000k betragen. Camacho hat besonders die Verwendung seiner Elektromagnete bei elektro-magnetischen Maschinen im Auge und behauptet in Amerika eine solche als Motor auf einer Pferdebahn benützt zu haben.

Ein anderer Amerikaner Stearns * hat eine ähnliche Einrichtung (mit drei Röhren) angegeben, nur verbindet er jedes Ende der Röhren durch eine eiserne Scheibe, während Camacho die Röhren frei läßt.

Wenn Camacho auch einen Elektromagnet hergestellt hat, welcher bei gleichem Raum eine größere Anziehungskraft besitzt, so wird dies doch auf Kosten des Zinkverbrauches in der Batterie geschehen, sein Elektromagnet also vom ökonomischen Gesichtspunkte keine Vorzüge besitzen. Wie unsere Quelle durch Zahlen belegt, welche sie

*

Die Priorität der Erfindung nimmt übrigens Perrin in Anspruch; vergl. Comptes rendus, Bd. 30 S. 1226.

D. Ref.