Text-Bild-Ansicht Band 220

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Gußeiserner Bremsklotz für Eisenbahnräder.

Das englische Fachblatt Iron bringt in seiner Nummer vom 29. Januar 1876 S. 136 das genaue Abnützungsprofil eines gußeisernen Bremsklotzes, wie derselbe unsers Wissens bis jetzt noch nicht auf dem Continente in Anwendung stand. Hier haben nämlich die gußeisernen Bremsklötze, welche, wie bekannt, vielfach zum Ersatz der rascher sich abnützenden hölzernen Klötze verwendet werden, nur eine solche Breite (80 bis 100mm), daß sie den conischen Theil der Lauffläche umfassen, den eigentlichen Spurkranz aber gar nicht berühren können. Der hier vorliegende Bremsklotz hingegen wird breiter als der Tyre und mit dem completen negativen Profil desselben hergestellt. Dadurch wird beim Bremsen die ganze Radoberfläche zur Aufnahme des Druckes herbeigezogen und somit in erster Linie eine geringere, dann aber auch eine gleichmäßigere Abnützung des Tyre erfolgen, als dies jetzt geschieht, wo der Spurkranz nahezu unverändert bleibt, während die Laufflächen durch das Bremsen rasch abgenützt werden. In Folge dessen ist ein weniger häufiges Abdrehen der Bremsräder erforderlich; endlich trägt auch dieser Bremsklotz entschieden dazu bei, die Bildung einer scharfen Ecke zwischen Lauffläche und Spurkranz zu verhindern.

G.

Eine wandernde Brücke.

Die Londoner Presse beschäftigt sich jetzt vielfältig mit Projecten für eine neue Communication über die Themse unterhalb London Bridge, nachdem die letztere für den enormen Verkehr schon längst ungenügend geworden ist, der Errichtung einer neuen Brücke jedoch bedeutende Hindernisse entgegenstehen. Dieselbe müßte nämlich entsprechende Höhe haben, um die großen Seeschiffe, welche bis zum Katherine Dock und weiter hinauf gefahren kommen, durchzulassen — ein Umstand, der lange und enorm kostspielige Rampen an beiden Ufern bedingen würde. Ein Tunnel macht wegen der Zufahrten dieselben Schwierigkeiten und dürfte auch kaum den Verhältnissen entsprechen, bliebe somit nur, abgesehen von den primitiven und ungenügenden Dampffähren, eine Drehbrücke, oder das von Barclay Bruce im Engineering, März 1876 S. 188 vorgeschlagene, jedenfalls sehr originelle Auskunftsmittel. Derselbe will den Uebergang über die Themse mittels einer wandernden Brücke bewerkstelligen, welche im Niveau der beiden Ufer 10m über Fluthwasser liegend, abwechselnd hin- und zurückgeschoben würde. Zu diesem Behufe werden im Flusse 6 Pfeiler errichtet, die ca. 33m von einander abstehen, um der Brücke abwechselnd zur Auflage zu dienen. Diese selbst besteht aus einer Eisenconstruction von 100m Länge, 33m Breite und wird vom Erfinder inclusive Belastung auf 3000t veranschlagt. Diese Masse ruht mittels Rollen, die auf einer gemeinsamen Welle befestigt sind, auf den einzelnen Pfeilern, und wird dadurch vorwärts gerückt, daß die Wellen der Tragrollen durch Dampfmaschinen in Umdrehung versetzt werden. In jedem der Strompfeiler befindet sich nämlich an beiden Enden ein Thurm, welcher eine Dampfmaschine enthält, die zum directen Antrieb der betreffenden Welle dient. Selbstverständlich findet sich die Brücke in jeder Stellung genügend unterstützt, so daß sie bei Passage von Schiffen sofort angehalten werden kann, indem der Maschinenwärter des betreffenden Brückenpfeilers seine Maschine stoppt oder reservirt.

Auf diese Weise sollen bei jeder Wanderung 100 Wagen und 1400 Passagiere in 3 Minuten über die Themse befördert werden können; die Anlagekosten betragen nach Angabe des Erfinders keine 3 Millionen Mark und sind wohl jedenfalls geringer als die Kosten einer stabilen Brücke von genügender Höhe. Dagegen dürfte dieses kühne Project, wenn schon an keinem andern Einwande, jedenfalls an der Frage der Betriebskosten zu Grunde gehen, ehe noch einer der in unserer Quelle so geschmackvoll gezeichneten Pfeiler der Themse entstiegen ist.

M.

Pumpenanlage zur Entsumpfung des Küstengebietes von Ferrara.

Ein Gebiet von mehr als 50 000ha an der Küste von Ferrara in Italien, das durch Jahrtausende hindurch versumpft und der Cultur unzugänglich war, wird jetzt