Text-Bild-Ansicht Band 221

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und die ganze Masse in kaltes Wasser geschüttet. Der entstehende Niederschlag wird gesammelt, gewaschen und technisch verwendet.

6) Das in Wasser, kalt oder heiß, suspendirte Alizarin wird mit dem gleichen oder zweifachen Gewichte Kaliumbichromat oder Bleioxyd, Kupfernitrat, Quecksilbernitrat, Eisenchloridlösung von 50° B. oder endlich Eisensulfat behandelt. Es ist hier zuweilen nothwendig, die Temperatur auf 150 bis 250° zu erhöhen.

7) 100 bis 200 Th. Alizarinbrei (10 Proc. trockenes Alizarin enthaltend) werden mit 10 Kupfersulfat, 2 Kaliumchlorat und 100 bis 200 Th. Kieselsand vermengt; diesen Brei erwärmt man mehrere Tage lang unter fortgesetztem Umrühren auf 30 bis 60°. Das Product wird mit Wasser gewaschen, um lösliche Beimengungen zu entfernen, und sodann mittels Aetznatron ausgezogen, aus welchem Auszuge man den Farbstoff durch irgend eine Säure niederschlägt. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1876 S. 644.)

Selen- und Tellur-Ultramarin.

Guimet will nach einem französischen Patente braunes und purpurrothes Ultramarin dadurch gewinnen, daß er bei dem bekannten Ultramarinblau-Verfahren den Schwefel durch Selen ersetzt; wird in entsprechender Weise Tellur verwendet, so soll grünes und gelbes Ultramarin erhalten werden.

Ein blauer Farbstoff, aus Diphenylamin dargestellt von Willm und Girard.

Indem 100k Diphenylamin und 30k Ameisensäure 10 bis 12 Stunden lang bei 120 bis 160° zusammen erhitzt werden, erhalten Willm und Girard (Moniteur industriel belge, 1876 S. 167) nach dem Abdestilliren der überschüssigen Ameisensäure reines Formodiphenylamin als Ausgangspunkt für die Darstellung eines neuen blauen Farbstoffes. Sie erhitzen nämlich 1k des so erhaltenen Formodiphenylamins mit 2k Oxalsäure durch 20 bis 24 Stunden in einer gußeisernen emaillirten Retorte bei 110 bis 120°. Die Masse wird sodann in Benzin gegossen, der ungelöste Rückstand nach dem Decantiren durch kochendes Wasser von anhängender Oxalsäure befreit, getrocknet und in starkem Weingeist gelöst. Die alkoholische Lösung wird mit schwacher Kalilauge erwärmt, die nunmehr rothbraune Flüssigkeit filtrirt, mit concentrirter Salzsäure ausgefällt, der entstehende blaue Niederschlag mit Wasser ausgewaschen und derselbe schließlich durch Behandeln mit Schwefelsäure bei 40 bis 100° in Lösung übergeführt. Man hat alsdann eine Sulfosäure des neuen blauen Farbstoffes, welche direct als Farbflüssigkeit verwendet werden kann.

Statt Formodiphenylamin eignet sich in gleicher Weise auch Acetodiphenylamin, welches aus ersterm durch Einwirkung von Essigsäure entsteht, zur Darstellung des blauen Farbstoffes. Ferner kann man dem Diphenylamin das Dinaphtylamin, und dem Formyl- oder Acetylradical ein Alkoholradical, z.B. Methyl oder Benzyl, substituiren, oder endlich könnte man nach der Ansicht der Verfasser die Bildung des tertiären Amids gänzlich umgehen, indem man einfach getrocknete Oxalsäure oder eine andere Säure, wie Citronensäure, Weinsäure u.a., auf Diphenylamin einwirken läßt.

Kl.