Text-Bild-Ansicht Band 225

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Ueber das Vorkommen von Aconitsäure im Zuckerrohrsaft und Colonialrohzucker.

Außer Oxalsäure hat A. Behr (Zeitschrift des Vereins für Rübenzuckerindustrie des deutschen Reiches, 1877 S. 111) im Westindischen Rohrzucker auch Aconitsäure (C₆H₆O₆) nachgewiesen. Der sogen. Melado, eingedickter Zuckerrohrsaft, enthält etwa 0,15 Proc. dieser Säure. Dieselbe wurde auch in dem Rohzucker von Cuba nachgewiesen.

Untersuchung von Bienenwachs auf Verfälschungen.

Die jetzt häufig vorkommende Verfälschung des gelben Bienenwachses mit Harz ist, selbst wenn dieselbe nur 1 Proc. beträgt, nach E. Schmidt (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1877 S. 837) schnell und sicher auf folgende Art nachzuweisen. 5g des zu untersuchenden Wachses werden in einem Kolben mit der 4 bis 5fachen Menge roher Salpetersäure (spec. Gew. 1,32 bis 1,33) zum Sieden erhitzt und eine Minute lang darin erhalten; hierauf fügt man ein gleiches Volum kaltes Wasser und unter Umschütteln dann so viel Ammoniak hinzu, bis die Flüssigkeit stark danach riecht. Gießt man hierauf die alkalische Flüssigkeit von dem ausgeschiedenen Wachs in ein cylindrisches Gefäß, so besitzt dieselbe bei reinem Wachs nur eine gelbe Farbe, bei Wachs, welches mit Harz verfälscht ist, in Folge der entstandenen Nitroproducte, dagegen eine mehr oder minder intensive rothbraune Färbung.

Verfälschung von Bier mit Wermuth.

Grießmayer (Bayerischer Bierbrauer, 1877 S. 31) hat nach der Dragendorff-Kubicki'schen Methode (1874 214 233) in einem Biere Absinthiin aufgefunden. Fahndet man direct auf Wermuth, so kann man folgendes vereinfachte Verfahren anwenden.

100cc Bier werden nach Ausfällung mit Bleiessig und Entfernung des überschüssigen Bleies durch Schwefelwasserstoff oder verdünnte Schwefelsäure auf die Hälfte eingedampft, mit Ammoniak im Ueberschusse und mit 50cc Amylalkohol versetzt. Man schüttelt das Ganze einige Minuten heftig durch, läßt absitzen, decantirt die obere Schichte und dampft sie im Wasserbade auf 1/3 ein. Hat man diese Concentration erlangt, so können sofort die folgenden Reactionen zur Constatirung des Absinthiins vorgenommen werden:

Salzsäure von 1,19 spec. Gew. gibt bei Gegenwart von Absinthiin sofort blauviolette Streifen, die in rothviolett übergehen. Ammoniakalische Silberlösung wird beim Erwärmen reducirt, Fehling's Lösung hingegen nicht.

Eine concentrirte Auflösung von Molybdänsäure in concentrirter Schwefelsäure gibt sofort tiefblau.

Golchlorid wird beim Erwärmen nur schwach reducirt, aber der wässerige Auszug reducirt es total. (Phosphormolybdänsäure gibt mit dem wässerigen Extracte braune, mit dem Amylauszuge gelbe Färbung.)

Auch hier wird nicht von einer betrügerischen Verfälschung, sondern nur von einer beabsichtigten Geschmacksverbesserung die Rede sein können; dennoch ist aber ein solcher Zusatz, wie die Redaction des „Bierbrauers“ bemerkt, gesetzwidrig, da Hopfensurrogate durch § 26 des Landtags-Abschiedes von 1861 für die Braunbierbereitung verboten sind. Derselbe lautet: „Die Verwendung anderer Stoffe oder Surrogate für Gerste, Malz und Hopfen zur Bereitung von Braunbier bleibt verboten“. (Dollmann: Die Gesetzgebung Bayerns. 2. Theil Bd. 6 S. 32.)

Anwendung des Chlorhydrins in der Gerberei.

Seit Knapp nachgewiesen hat, daß das hauptsächlich Wirkende des Eigelbes in der Weißgerberei das in demselben feinst vertheilte Oel ist, wurde bereits mehrfach versucht, ein anderes Oel ebenso fein vertheilt zu gleichem Zwecke anzuwenden (vgl.