Text-Bild-Ansicht Band 226

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Ueber den Chrombergbau der Gewerkschaft „Hofmann Ernest“ bei Alt-Orsova; von Julius Fels.

Eine Studienreise führte mich kürzlich auf transleithanischen Boden. Nebst vielen industriellen und montanistischen Anlagen, welche ich besichtigte, war es mir auch vergönnt, den seiner Großartigkeit wegen berühmten Chrombergbau bei Alt-Orsova eingehend zu betrachten, von welchen F. v. Hauer 1) sagt: „Der Serpentin südlich von Orsova im Banat enthält theils in dünnen Adern, theils aber auch in mächtigen Stöcken derben Chromeisenstein, wohl eines der reichsten Vorkommen dieser Erze, die man überhaupt kennt.“

Am linken oder österreichischen Ufer der Donau, eben vor der dreifachen Grenze zwischen Oesterreich, der Walachei und Serbien, befindet sich ein nach Süden gestrecktes spitzes Landdreieck, um welches sich die Donau in einer scharfen S-Biegung herumwendet. An der Kukujova-Kuppe treten in einem nahen Umkreise ebensowohl Syenit und Porphyr, wie Sandsteine der Steinkohlen- und Zechstein-Formation, dann jüngere Kalke und vor allem Serpentin auf, von welchen aber nur der Kreidekalk auch über die Donau nach Serbien sich fortzusetzen scheint. Das Serpentinvorkommen beginnt an der Südspitze des besagten Landdreieckes, zieht sich von da einestheils etwa eine Meile lang nach Nord bis zu dem von böhmischen Colonisten bewohnten Grenzdorfe Eibenthal und anderseits nahezu zwei Meilen nach Nordost, in geringer Entfernung der Donau folgend, indeß die dritte Dreieckseite, die Nordgrenzlinie, nahezu eine Gerade zwischen den Dörfern Eibenthal und Dubova bildet, von denen letzteres unweit des Kasan liegt. Die Gesammtflächenausdehnung dieses Serpentinvorkommens kann zu 145qkm angenommen werden. Von den nach Südost eingerissenen Thälern der Bäche Ljubotina, Reschitza, Mare und Tissoviza durchschnitten, bildet die Serpentinablagerung mehrere Reihen schön geformter Hügel mit abgerundeten Kuppen, von denen jene Lepopoli wegen ihrer reizenden Fernsicht hervorzuheben, und mit häufig steilen Gehängen, welche bei der leichten Verwitterbarkeit des Gesteines der Vegetation einen nicht sehr günstigen Boden bieten, eben dadurch aber die Auffindung der werthvollen Chromerze erleichterten, indem sie das Abrollen der ausgewitterten schweren Erzstücke in die Thäler förderten.

Die Auffindung der über dieses ganze Serpentinlager in zahlreichen Putzen zerstreuten Chromerze soll allerdings bereits vor etwa 24 Jahren erfolgt sein; doch hielt man damals diese gewichtigen schwarzen körnigen Stufen erst wegen ihres grünen Anfluges für Kupfererze, dann aber für schlechte Eisenerze, und vergaß sie wieder, sobald die angestellten Versuchsproben das erwartete Resultat durchaus nicht ergeben wollten. Erst vor ungefähr 20 Jahren fand Ernest Hofmann, mit seinem ältesten Sohne Robert, aus einem Jagdausfluge in der Gegend von Dubova Erze, welche von dem damaligen Professor an der Schemnitzer Bergakademie, Bergrath Ignaz Kurter, als reiche und werthvolle Chromerze erklärt wurden. Die in Folge dessen von Hofmann angelegten 51 Freischürfe und 60 Massen sind in 20 Grubenfelder vereinigt, und bedecken zusammen eine Fläche von 31qkm,866.

Was nun das natürliche Vorkommen des Chromerzes betrifft, so zeigten die bisherigen zahlreichen Aufschlüsse, daß dasselbe nestartig in sogen. „Streichen“ in lichtem,

1)

F. v. Hauer: Die Geologie und ihre Anwendung auf die Kenntniß der Bodenbeschaffenheit der österr.-ung. Monarchie (Wien. Alfred Holder) S. 194.