Text-Bild-Ansicht Band 226

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Bei der Filtration durch Kohle werden fast alle chemischen Verbindungen in größeren oder geringeren Mengen aus ihren Lösungen zurückgehalten.

Quantitative Bestimmung des Zinns.

H. Pellet und A. Allart (Bulletin de la Société Chimique de Paris, 1877 t. 27 p. 438) empfehlen zur Bestimmung des Zinns folgendes Verfahren. Die von Eisen, Kupfer und Antimon freie Lösung erhitzt man zum Sieden und fügt 2 bis 3g Zink mit überschüssiger Salzsäure zu. Nach vollständiger Lösung läßt man zu der siedenden Chlorürflüssigkeit so lange eine Eisenchloridlösung von bekanntem Gehalt zufließen, bis eine schwachbraune Färbung erscheint. Hat man zuviel Eisenchlorid zugesetzt, so titrirt man dieses mit einer Zinnchlorürlösung zurück. Die Umsetzung geschieht nach der Formel: Fe₂Cl₆ + SnCl₂ = 2 FeCl₂ + SnCl₄.

Die Carbonisation mittels Chloraluminium.

Das deutsche Wollengewerbe, 1877 S. 731 beschreibt ausführlich das von Joly in Elbeuf erfundene und in dessen eigener wie auch in andern Fabriken eingeführte Verfahren, Wolle mittels Chloraluminium zu entkletten. Dasselbe soll den Vortheil bieten, daß es die Farben, z.B. Anilinfarben, auf der Wolle unverändert läßt und doch, sei es bei Verwendung zur Extraction von halbwollenen Lumpen, sei es bei Behandlung von Wolle oder Wollwaaren behufs Beseitigung von Kletten, Samen und Strohresten, eine vollständige Zerstörung der Pflanzenfaser bewirkt. Das gewöhnliche Säureverfahren eignet sich bekanntlich nur für weiße oder indigoblaugefärbte Stoffe.

In der Joly'schen Fabrik wird eine Chloraluminiumlösung vom spec. Gew. 1,0431 bis 1,0506 verwendet. Sie befindet sich in einem hölzernen Bottich, in welchem die zu carbonisirende Wolle oder Waare eingeweicht wird, wobei man auf 8k Wolle höchstens 4 bis 5k käufliches Chloraluminium vom spec. Gew. 1,1598 rechnet. Ist die Wolle genügend von der Salzlösung durchdrungen, so wird in der Centrifuge ausgewunden, und die abfließende Lösung für die Verwendung bei späteren Operationen aufgefangen. Die ausgewundene Wolle kommt jetzt in einen gewöhnlichen Trockenraum und verbleibt in demselben so lange, bis sie als gut trocken zu erkennen ist. Dann erst wird sie in den auf etwa 100° geheizten Carbonisationsraum, meist eine eigens für diesen Zweck construirte Maschine, nach Art der Norton'schen Wolltrockenmaschinen (*1861 160 428) bezieh. der Rahmmaschinen, gebracht. Nach dem 3/4 Stunden dauernden Durchgang durch diese Trockenmaschine ist die Carbonisation vollendet und bedarf es nicht mehr, wie beim Säureverfahren, einer dem Entsäuern analogen Behandlung; das spätere Waschen in weichem Wasser, besser noch in Walkererde, entfernt das Chloraluminium vollständig. Man carbonisirt in Elbeuf meist nur das gewalkte Tuch oder auch die ausgewaschenen Loden. Trotz der hohen Temperatur im Carbonisationsraum leidet das Wollhaar keinen Schaden.

Was übrigens die Behauptung Joly's betrifft, das Chloraluminium zersetze sich in höherer Temperatur nicht und gebe keine Salzsäure frei, so verweist Ref. einfach auf die verschiedenen Lehrbücher der Chemie, welche das Gegentheil behaupten. Es ist sicher nur die im Carbonisationsraum frei werdende Salzsäure, welche die Zerstörung der Pflanzenfaser bewirkt; aber es ist denkbar, daß die gleichzeitig freiwerdende Thonerde für eine Anzahl Farben, wenn auch nicht für alle, sowohl im Carbonisationsraum als insbesondere beim nachherigen Waschen im Wasser als Schutzmittel dient, und hierin besteht nach Ansicht des Ref. die Eigenthümlichkeit des patentirten Verfahrens, wodurch es sich vor dem gewöhnlichen Säureverfahren ebenso deutlich als vortheilhaft unterscheidet.

Kl.