Text-Bild-Ansicht Band 228

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Die gewöhnliche Praxis, die von Anfang an mit einer gröſseren Menge Kieselerde arbeitet, puddelt mit flüssiger Schlacke, deren Aggregatzusand an sich jeder chemischen Wirkung auf einen nicht gleich schweren, aber ebenfalls flüssigen Körper, das Roheisen, ungünstiger ist, als wenn eine krümlige Mischung mit stark entwickelter Contactfläche vorhanden wäre. Dieser Umstand ist jedenfalls von bedeutendem Einfluſs, doch nur bei der eigenartigen Heizung des Howson'schen Ofens voll auszunutzen, weil sich hierbei die Temperatur sehr genau und rasch reguliren läſst.

Was nun schlieſslich die praktische Bedeutung von Howson's Ofen anlangt, so ist anzuführen, daſs Lowthian Bell im Augenblick einen Howson'schen Apparat zur directen Fluſsstahlerzeugung aus Clevelandeisen in Betrieb setzt und daſs hierbei der Dampfhammer vollständig ausgeschlossen sein wird. Terrenoire und andere Werke des Loire-Beckens haben mit Howson Verträge zur Einführung des Verfahrens abgeschlossen und weitere Schritte sind in Aussicht.

Wir können am Schluſs nur den Wunsch aussprechen, daſs die deutsche Eisenindustrie von dieser Neuerung im Puddelproceſs Besitz nimmt und mit Hilfe ihrer guten Gaskohlen, sowie der vorhandenen Fettling-Materialien endlich die Bahn der Entphosphorung praktisch beschreitet, die vielleicht zu einem billigeren Hohofenproduct und zu einem daraus trotzdem hervorgehenden werthvolleren Qualitätsfabrikat Veranlassung gibt. Hätte Deutschland, wenigstens Rheinland-Westphalen einen Stahl- und Eisenverein von technisch-wirthschaftlicher Bedeutung, so würde sich eine commissarische Prüfung des Verfahrens wohl eher lohnen, als es s. Z. bei den englischen und belgischen Commissionen für den Danks-Ofen in der Folge sich herausstellte. Praktische Vorschläge zu machen oder gar technische Winke und Rathschläge zu geben, ist indessen nicht Sache der Professoren; dieselben thun genug, wenn sie das Sachverhältniſs selbst theoretisch prüfen und zu erklären suchen. Die ausführende, für Erfolg oder Nichterfolg verantwortlich eintretende Praxis hat das Weitere zu beschlieſsen.

Kupferextraction zu Oker am Harz.

Mit Abbildungen auf Tafel 11 und 12.

In der Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen, 1877 Bd. 25 S. 119 geben Wimmer und Bräuning eine ausführliche Beschreibung über Vorkommen und Gewinnung der Rammelsberger Erze und die Unterharzer Hüttenprocesse. Wir theilen nach Bräuning's Beschreibung