Text-Bild-Ansicht Band 236

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Ueber die Bildung der Steinkohle.

Wenn Bruchstücke junger Coniferen im Wasser liegen, so entwickelt sich daran der Erreger der Buttersäuregährung, Bacillus Amylobacter, welcher die Gewebe angreift und die Zellenmembran unter Buttersäurebildung völlig auflöst, bis schliesslich von der ganzen Wurzel nur die Cuticula und die Gefässe übrig bleiben. Zugleich hinterlässt der Bacillus im Innern des zerstörten Organes sichtbare Spuren seiner Thätigkeit. Man findet in den Lücken des Gewebes dünne Fäden in lebhafter Theilung, einzelne Stäbchen, welche sich krümmen oder eine glänzende Spore am Ende tragen. Nach beendeter Zersetzung findet man in der die verschwundenen Zellen ersetzenden Flüssigkeit eine sehr grosse Anzahl freier Sporen zusammengeballt oder frei herumschwimmend.

Ph. v. Tieghem (Comptes rendus, 1879 Bd. 89 S. 1102) hat nun in Dünnschliffen, welche von B. Renault aus Gesteinen der Steinkohlenformation hergestellt wurden, sehr zahlreiche Coniferenwurzeln gefunden, welche grosse Aehnlichkeit mit Taxus und Cypressen haben. Dabei wurde dieselbe Zerstörung der Gewebe beobachtet, welche als letzten Rest nur die Cuticula und die Gefässe zurücklassen, indem sich dieselben Spuren fanden, von der lebhaften Entwicklung des Bacillus im Innern der angegriffenen Organe als dünne, in Glieder getheilte Fäden oder gekrümmte Stäbchen, von welchen oft jedes eine Spore trägt, oder aber zahllose freie Sporen, welche theils als wolkige Flocken in der die Lücken ausfüllenden Kieselsäure eingebettet, theils an der Cuticula und den Gefässen angeklebt sind. In den Sümpfen der Steinkohlenperiode sind demnach die Pflanzen durch denselben Organismus zerstört, als dieses noch heute geschieht.

Zum Imprägniren von Holz.

J. D. Francks in Hannover (* D. R. P. Nr. 8166 vom 3. April 1878) behandelt das Holz zunächst mit Wasserdampf bei 1 bis 2at Ueberdruck, um die löslichen Stoffe zu entfernen, dann mit einem Gemisch von 5 Th. Kalkmilch und 1 Th. Urin abwechselnd unter Druck und Luftverdünnung.

Zur Eisfrage.

Eine österreichische Brauerei war genöthigt, neben reinem Donaueis auch Eis aus dem durch thierische und gewerbliche Abfallstoffe stark verunreinigten Wienflusse zu verwenden. Die Folgen zeigten sich aber schon bei den ersten Gährungen empfindlich. Die bisher wunderschönen Hefen degenerirten bald und die ganzen Gährungen zeigten sich nicht mehr so kräftig und schön wie bisher; selbst die Gährkellerräume, welche bis dahin einen frischen gesunden Geruch aufgewiesen, zeigten bald den bekannten muffigen Modergeruch, der offenbar auf die Gährungen nachtheilig wirken muss. Diese Uebelstände verschwanden, als wieder reines Donaueis beschafft wurde. (Nach der Zeitschrift für Bierbrauerei, 1879 S. 642.)

Luftkühlapparat.

Der Luftkühlapparat von O. Kropff in Nordhausen (* D. R. P. Nr. 6833 vom 5. Februar 1879) hat die Aufgabe, grosse Luftmengen auf 1 bis 2° abzukühlen, um sie Gähr- und Lagerkellern zuzuführen. Zu diesem Zweck wird die Luft in langen, auf und ab gehenden Röhren zunächst einem Regen von Brunnenwasser, dann einem solchen von Eiswasser entgegengeführt.

Herstellung von Fleischmehl.

Nach M. Meinert in Leipzig und C. Warnecke in Hamburg (D. R. P. Nr. 8599 vom 4. December 1878) wird das fettfreie Fleisch mit 2 bis 3 Proc. Salz bestreut, dann bei etwa 50 bis 600 vorgetrocknet, bei 1000 völlig getrocknet und schliesslich gemahlen. Um Insekten abzuhalten, sollen die Räume, in denen das Fleisch bearbeitet wird, so stark mit Schwefelkohlenstoffdampf erfüllt werden, als die Arbeiter vertragen können.