Text-Bild-Ansicht Band 236

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Verfahren zur Reinigung von Spiritus.

Nach J. E. Berlien in Altona (D. R. P. Nr. 7809 vom 14. März 1879) versetzt man je 10 000l Rohspiritus mit 20 bis 50g salpetersaurem Silber und rectificirt. Zur Reinigung von Feinsprit genügt ein Zusatz von 0,1 bis 1g Silbernitrat, um jeden Übeln Geruch zu beseitigen.

Neue Erklärung der Farbe des Himmels.

Ausgehend von der bekannten Young-Helmholtz'schen Theorie der Farbenwahrnehmung, nach welcher im Auge drei verschiedene Arten von Nerven vorhanden sind, roth, grün und violett empfindende, hat E. L. Nichols eine neue Erklärung für die blaue Farbe des Himmels gegeben, welche, im Gegensatz zu den bis jetzt aufgestellten physikalischen, als physiologische bezeichnet werden kann und auf Folgendem beruht.

Nach Helmholtz ist die Empfindung der drei verschiedenen Nerven nicht direct proportional der Intensität der Strahlen; vielmehr ist das Verhältniss zwischen Empfindung und Intensität des Lichtes für die „rothen“ Nerven ein anderes wie für die „grünen“ und für diese wieder ein anderes als für die „violetten“, und zwar sind die violetten Nerven für schwache Strahlen sehr empfindlich, während die grünen und rothen von ihnen nicht beeinflusst werden; hingegen nimmt mit steigender Intensität die Thätigkeit der „grünen“ und „rothen“ Nerven zu, und die violetten werden geblendet und unwirksam; bei sehr intensivem Lichte sind die „rothen“ Nerven am empfindlichsten, während die beiden anderen unwirksam sind. Zeichnet man sich die Curven für die Empfindung bei zunehmender Intensität vom blauen und gelben Lichte, so findet man, dass bei schwachen Intensitäten der blaue Eindruck stärker ist als der gelbe; die Curven schneiden sich dann bei zunehmender Intensität und jenseits dieses Punktes übertrifft die gelbe Empfindung die blaue.

Hieraus folgert Nichols, dass weisses Licht immer mehr und mehr blau erscheinen wird, je mehr seine Intensität abnimmt, und diese Regel findet ihre Anwendung auf das Himmelslicht; je schwächer das Licht ist, das vom Himmel reflectirt wird, desto mehr muss die blaue Färbung des letzteren zunehmen, selbst in den Fällen, wo das Licht in seiner Zusammensetzung durch den Process der Reflexion keine Aenderung erleidet. Dieser Vorgang, für welchen man in der Natur eine Reihe von Beispielen findet, ist die Umkehr der wohl bekannten Erscheinung, dass blaues Licht bei entsprechender Steigerung der Intensität der Strahlen sich in weisses verwandelt, indem die grün und roth empfindenden Nerven von den intensiven Strahlen mit afficirt werden. Bei abnehmender Stärke werden erst die roth und grün empfindenden Nerven zu wirken aufhören, das Gelb wird aus dem weissen Lichte schwinden und es bleibt das Blau. (Nach dem Philosophical Magazine, 1879 Bd. 8 S. 425 durch den Naturforscher, 1880 S. 34.)

Künstliches Platineisen.

Schmilzt man nach H. Sainte-Claire Deville und H. Debray (Comptes rendus, 1879 Bd. 89 S. 587) Platin mit 10 Th. Pyrit und 1 Th. Borax zusammen, so erhält man Schwefelplatin in grauen krystallinischen Nadeln, welche von Königswasser nicht angegriffen werden. Bei Anwendung hoher Temperaturen bildet sich ausserdem eine Legirung von Platin mit etwas über 11 Proc. Eisen, welche nicht magnetisch ist. In entsprechender Weise wurde Schwefelruthenium und krystallisirtes Ruthenium erhalten.

Passivität des Eisens.

Nach L. Varenne (Comptes rendus, 1879 Bd. 89 S. 783) bildet sich beim Eintauchen des Eisens in rauchende Salpetersäure eine Schicht Stickoxyd, welche die Säure von dem Eisen abhält. Durch Rütteln des Gefässes oder beim Durchleiten eines Gasstromes wird die Passivität aufgehoben; auch im luftverdünnten Raum wird das Eisen sofort von der Säure angegriffen.