Text-Bild-Ansicht Band 236

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werden für sich rectificirt, bis die Unreinigkeiten eine weitere Abscheidung von Aethylalkohol nicht mehr gestatten und daher als Rübenfuselöl entfernt werden. Man rechnet für die Rectification einen Verlust von 5 Proc.

Das erhaltene Fuselöl enthält nur wenig Amylalkohol, wohl aber bedeutende Mengen Propyl- und Buthylalkohol, ist daher für Parfümeriezwecke ungeeignet. Es gibt dagegen ein gutes Leuchtgas (vgl. 1877 224 657), welches wegen seiner Reinheit besonders in Seidenspinnereien, namentlich bei der Gasirungsmaschine, sehr beliebt ist. Mit zwei Retorten von 14cm Durchmesser und 1m,5 Länge wurden folgende Betriebsresultate erhalten:

Fuselöl 50k
Gasproduction im Ganzen 33cbm
„ stündlich 12cbm
„ für 1k Fuselöl 660l
Zeitdauer zum Warmmachen zweier Retorten 3 Stunden
„ zur Destillation von 50k Fuselöl 2 St. 45 Min.
Brennmaterial zum Erwärmen der Retorten 134k,9
„ zur Destillation von 50k Fuselöl 108k,4
Zulauf des Oeles in der Minute 303g
„ „ „ „ „ „ in eine Retorte 151g
Stündlicher Verbrauch der Gasflamme 63l
„ „ „ „ auf Fuselöl gerechnet 95g,4
Lichtstärke 13,3.

Zur Herstellung von Stärke mittels Ammoniak.

W. Garton in Southampton, England (D. R. P. Kl. 89 Nr. 9096 vom 2. September 1879) macht den Vorschlag, gemahlenen Reis auf 75 bis 850 zu erwärmen, um alle Luft auszutreiben, dann mit kaltem Wasser zu übergiessen und unter Zusatz von 2 Proc. Ammoniak in einem geschlossenen Gefässe 1 bis 3 Tage lang auf 500 zu erwärmen. Die Lösung wird abgelassen und neutralisirt, wobei sich die gelösten Eiweissstoffe abscheiden; dann wird in bekannter Weise das Ammoniak wieder gewonnen, der Rückstand aber auf Stärke verarbeitet.

Zur Kenntniss der Vaseline.

R Fresenius hat amerikanisches „Vaseline“ der Chesebrough Company in New-York und deutsches „Virginia-Vaseline“ von Karl Hellfrisch und Comp. in Offenbach a. M. verglichen. Danach beginnt das amerikanische bei 33°, das deutsche Vaseline bei 40 bis 41° zu schmelzen. 90 procentiger kalter Weingeist löst in 100cc 92mg amerikanisches und 362mg deutsches Vaseline. Ersteres löst sich in 63,5, letzteres in 46,6 Th. siedendem absolutem Alkohol. Beide sind frei von versifbaren Fetten und Harzen. Um das Verhalten beider zu Sauerstoff in höherer Temperatur festzustellen, wurden gewogene Mengen in mit Sauerstoff gefüllten Glasröhren von 30cc Inhalt eingeschmolzen und 15 Stunden am 110° erhitzt. 4g,17 amerikanisches Vaseline absorbirten 21cc,8 Sauerstoff; das „Vaseline“ nahm dabei einen sehr scharfen Geruch an. Die Wasserlösung zeigte keine saure Reaction, die Aetherlösung dagegen röthete feuchtes Lackmuspapier sehr deutlich. 4g,08 des deutschen „Virginia-Vaseline“ absorbirten nur 3cc,2 Sauerstoff; das so behandelte Vaseline nahm dabei blos einen sehr schwachen Geruch an. Die Wasselösung reagirte nicht, die Aetherlösung kaum erkennbar sauer.

Die wesentlichsten Unterschiede zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Vaseline bestehen demnach in der Consistenz, dem Schmelzpunkt, dem Verhalten zu kaltem Weingeist und siedendem Alkohol und vor allem darin, dass ersteres beim Erhitzen mit Sauerstoff vergleichsweise viel desselben aufnimmt und dabei scharf riechend und sauer wird, während das deutsche riechend und dabei kaum merklich riechend und kaum erkennbar sauer wird.