Text-Bild-Ansicht Band 240

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soll nach P. Bahr und R. Brock in Hamburg (* D. R. P. Kl. 2 Nr. 11558 vom 15. April 1880) durch folgendes Verfahren beseitigt werden.

Man erwärmt 100 Th. Maismehl in einem Knetapparat auf 40°, setzt 105 Th. kochendes Wasser hinzu, mischt und nimmt die 80° warme Masse heraus. Dieselbe muſs hierauf 12 Stunden lang in Trögen bis auf 28 bis 30° abkühlen und wird dann zur Hälfte dem sogen. Hefenstück oder Vorteig hinzugesetzt, während die andere Hälfte beim Fertigmachen des Teiges untergemischt wird. Sind nach vorstehendem Verfahren 30 Th. Maismehl vorbearbeitet worden, so wird demselben im Ganzen der Teig von 100 Th. Weizenmehl beigemischt. Für Roggenmischbrod kann der Maiszusatz auf 33⅓ Proc. erhöht werden. Das hierfür bestimmte Maismehl wird jedoch nur auf 30° erwärmt und nach dem Mischen mit heiſsem Wasser schon bei einer Temperatur von 65° aus der Knetmaschine herausgenommen.

Ein neuer Butterpilz.

Beim Zergehenlassen verdorbener Butter bemerkte Kützing (Industrieblätter,, 1881 S. 77), daſs ein schwammartig, aus dünnen, seilartig gedrehten Fäden bestehendes Gebilde von brauner Farbe übrig blieb. Bei mikroskopischer Untersuchung zeigte es sich, daſs die Fäden über und über mit kleinen Pilzsporen besetzt waren und daſs jenes Gebilde ein bisher unentdeckt gebliebener Pilz ist. Kützing hat ihm den Namen Butterpilz (Hygrococis butericula) gegeben. Die Fäden des Butterpilzes durchziehen die Buttermasse nach allen Seiten, machen dieselbe porös und erleichtern dadurch der Luft und dem Sauerstoff den Zutritt; letzterer verwandelt sich in Ozon und dieser bewirkt die Umwandlung und Zersetzung der Butterfette, macht, daſs die Butter erst sauer und dann ranzig wird.

Zur Kenntniſs der Quebrachorinde.

Die Quebrachorinde und ihre Anwendung als Arzneimittel bespricht eingehend E. Schaer im Archiv der Pharmacie, 1881 Bd. 15 S. 81.

Zur Untersuchung der Rinde auf ihre Echtheit kocht man nach G. Fraude (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1881 S. 319) 5g der zerkleinerten Rinde mit etwa 25cc sehr leichten Steinkohlenbenzin etwa 5 Min. lang, filtrirt heiſs und schüttelt den kaum gefärbten Auszug mit etwa 10cc verdünnter Schwefelsäure. Die vom Benzin getrennte Sulfatlösung wird mit Ammoniak im Ueberschuſs versetzt und mit 10cc Aether ausgeschüttelt. Die Aetherlösung wird im Probircylinder abgekocht und der Rückstand mit Ueberchlorsäurelösung gekocht, oder auch, wo dieselbe nicht zur Verfügung steht, mit wenig Wasser, 3 bis 4 Tropfen concentrirter Schwefelsäure aufgenommen, eine ganz geringe Menge chlorsauren Kaliums hinzugefügt und längere Zeit gekocht. In beiden Fällen tritt die schöne, Fuchsin ähnliche, lebhafte Färbung auf, welche das Asspidosspermin mit oben genannten Reagentien gibt, und kann das spectroskopische Verhalten zu weiterer Bestätigung dienen.

Zur Verarbeitung von Kainit.

Nach G. Borsche in Leopoldshall bei Staſsfurt (D. R. P. Kl. 75 Nr. 10642 vom 4. November 1879) werden 1000 Th. roher Kainit mit Wasser von 30 bis 35° gelöst und die gesättigte Lösung mit 400 Th. Bittersalz einige Stunden durchgerührt, so daſs sich Kalimagnesiasalz abscheidet, welches nun in bekannter Weise auf schwefelsaures Kalium verarbeitet wird. Die Mutterlauge wird zur Salzhaut abgedampft und mit einer heiſsen Lösung von Chlormagnesium von 1,32 bis 1,33 Volumgewicht versetzt. Das sich ausscheidende Chlornatrium wird ausgeschöpft, die Lösung auf 1,33 Volumgewicht abgedampft; das ausgeschiedene schwefelsaure Magnesium wird auf Bittersalz verarbeitet, die Lauge scheidet beim Erkalten Carnallit aus (vgl. 1881 239 88).

R. Grüneberg in Altdamm (D. R. P. Kl. 75 Nr. 10754 vom 18. December 1879) behandelt den Kainit mit kalt gesättigter Schönitlösung oder mit Wasser. Die von dem ungelösten Schönit entfernte Lauge wird zur Gewinnung des gelösten Schönits als Chlorkalium zum Lösen von Carnallit verwendet.